Zwei Risikogebiete in Sachsen - Spitzengespräch zur Corona-Krise

14.10.2020 17:56

Die steigenden Corona-Zahlen in Deutschland und anderswo treiben die
Politik um. Sachsen ist dennoch gegen eine neue Verschärfung.
Unterdessen gibt es zwei Risikogebiete im Freistaat.

Dresden (dpa/sn) - Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer
(CDU) will sich am Donnerstag zu einem Spitzengespräch mit Landräten,
Oberbürgermeistern und Ministern in Dresden treffen. Bei den
Beratungen soll es vor allem um das weitere Vorgehen in Sachsen nach
dem Treffen der Länderchefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
am Mittwoch in Berlin gehen. Bei der Konferenz im Kanzleramt rangen
die Länder mit dem Bund um eine einheitlichere Linie in der
Pandemie-Bekämpfung für den Herbst und den Winter.

Bereits vor dem Gespräch hatte sich Kretschmer für eine Lockerung des
Beherbergungsverbotes in der Corona-Krise ausgesprochen. «Es gibt
eine ganze Reihe von Kollegen, die das in der jetzigen Form für nicht
angemessen halten. Ich gehöre dazu», sagte er am Mittwochvormittag in
Dresden. Das Beherbergungsverbot, das für Menschen aus Regionen mit
erhöhten Infektionszahlen in Sachsen schon seit Juni gelte, sei nicht
verhältnismäßig.

Kretschmer sagte, er wünsche sich noch vor den in der kommenden Woche
beginnenden Ferien in Sachsen eine Entspannung. Die Mehrheit der
Leute, die gesund sind und die sich vernünftig verhalten, dürften
nicht in eine kollektive Mithaftung genommen werden. Der Politiker
bezeichnete das Beherbergungsverbot als großen Einschnitt in die
persönliche Freiheit der Menschen. Gastronomie und Hotellerie seien
nicht die Haupttreiber des Geschehens, sondern private Partys und
Rückkehrer aus dem Ausland.

Unterstützung bekam der Regierungschef von Sachsens
Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD): «Das Beherbergungsverbot
hat sich in der Praxis nicht bewährt und darum sollten wir es
streichen.» Es gebe kein Indiz dafür, dass sich die
Coronavirus-Infektion überdurchschnittlich über Aufenthalte in
Hotels und Pensionen verbreite.

In Sachsen war die Zahl der Corona-Neuinfektionen zuletzt deutlich
gestiegen, am Mittwoch wurden 184 Corona-Neuinfektionen im Vergleich
zum Vortag registriert. Nach dem Erzgebirge hat mittlerweile auch der
Landkreis Zwickau einen kritischen Schwellenwert an
Corona-Neuinfektionen überschritten. Nach Angaben des Landratsamtes
habe es in den vergangenen sieben Tagen 50,07 Neuinfektionen pro 100
000 Einwohner gegeben, erklärte eine Sprecherin des Landratsamtes.
Damit ist der Landkreis Zwickau das zweite Risikogebiet im Freistaat.

Insgesamt erkrankten im Freistaat seit Beginn der Pandemie 8905
Menschen an dem Coronavirus. 7060 der Betroffenen gelten demnach als
Genesene. Bislang sind in Sachsen 249 Menschen gestorben, bei denen
das Coronavirus nachgewiesen wurde. Die Quote der Neuinfizierten
innerhalb der vergangenen sieben Tage lag bei 25 pro 100 000
Einwohner. Ab 50 Neuinfektionen gilt eine Region als Risikogebiet.

Dennoch machte Kretschmer deutlich, dass er es nicht für sinnvoll
halte, immer wieder neue Regeln einzuführen. Stattdessen müssten die
bestehenden konsequent durchgesetzt werden. Statt Aktionismus sollte
man mit Augenmaß handeln. Andernfalls seien die Menschen
verunsichert, was ein Akzeptanzproblem zur Folge habe: «Wir müssen
die Menschen mitnehmen.»

Kretschmer sprach sich auch dafür aus, die Grenzen zu Tschechien
offenzulassen. Im Nachbarland des Freistaates Sachsen hatte es
zuletzt einen sprunghaften Anstieg der Infektionszahlen gegeben. Man
müsse mit der Situation aber verantwortungsvoll umgehen und sei auch
auf tschechische Arbeitnehmer angewiesen. Sachsen hatte der
tschechischen Regierung Hilfe bei der Behandlung von
Covid-19-Patienten angeboten, so wie der Freistaat zu Beginn der
Krise im Frühjahr auch betroffene Italiener und Franzosen in seinen
Krankenhäusern aufgenommen hatte.