Spitzengespräch zur Corona-Krise in Dresdner Staatskanzlei

15.10.2020 03:30

Die Corona-Infektionszahlen steigen auch in Sachsen. Bund und Länder
beschließen schärfere Maßnahmen und Einschnitte in Regionen mit
vielen Neuinfektionen. Was das für Sachsen heißt, wird nun beraten.

Dresden (dpa/sn) - Einen Tag nach Beratungen von Bund und Ländern
über weitere Corona-Maßnahmen will sich Sachsens Ministerpräsident
Michael Kretschmer (CDU) mit Vertretern sächsischer Kommunen treffen.
Gemeinsam mit Landräten, Oberbürgermeistern und Ministern will er am
Donnerstag in Dresden über das weitere Vorgehen beraten. Zuvor hatten
die Länderchefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch
bis in den späten Abend um eine einheitlichere Linie in der
Pandemie-Bekämpfung für den Herbst und den Winter gerungen.

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus vereinbarten sie
schärfere Corona-Regeln. Dazu gehören weniger Gäste bei Feiern sowie

eine Sperrstunde in Hotspots. Eine Entscheidung über das umstrittene
Beherbergungsverbot für Urlauber aus innerdeutschen Risikogebieten
wurde jedoch vertagt. Bis zum 8. November soll diese umstrittene
Maßnahme demnach auf ihre Wirksamkeit überprüft werden.

Sachsen Regierungschef Kretschmer kritisierte dies: «Das ist eine
Enttäuschung. Das Beherbergungsverbot in der jetzigen Form ist nicht
verhältnismäßig. Es trifft so viele Menschen, die nichts mit dieser
Krankheit zu tun haben, und deswegen wäre es besser gewesen, wenn es
hier eine Verständigung gegeben hätte. Wir sind ein Land und deswegen
muss es auch möglich sein, dass die Menschen sich bewegen können»,
sagte Kretschmer im Anschluss an das Treffen.

Die sächsische Staatsregierung werde am Donnerstag darüber beraten.
Bei dem Treffen in der Dresdner Staatskanzlei werden auch
Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD), Innenminister Roland
Wöller und Kultusminister Christian Piwarz (beide CDU) dabei sein.

«Wir werden auch jetzt noch vor den Ferien die Möglichkeit schaffen,
dass die Sachsen in den Urlaub fahren können», so Kretschmer. «Ich
bin schon der Meinung, dass wir jetzt auch konsequent handeln müssen,
ohne Hysterie», so der CDU-Politiker.

Das Beherbergungsverbot sei aus seiner Sicht jedoch zu rabiat. Es
gilt für Menschen aus Städten oder Landkreisen, in denen es in den
vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000
Einwohner gab. In Sachsen trifft dies auf das Erzgebirge und den
Landkreis Zwickau zu. Sie dürfen derzeit in zahlreichen Bundesländern
nicht als Touristen in einer Herberge übernachten; es sei denn, sie
können einen höchstens 48 Stunden alten negativen Coronatest
vorweisen.