Kassel durch Flüchtlings-Einrichtung mit höchstem Corona-Wert

14.10.2020 16:32

Kassel (dpa/lhe) - Ein Corona-Ausbruch in einer Einrichtung für
Flüchtlinge hat Kassel über Nacht in die höchste Infektionswarnstufe

des Landes Hessen katapultiert. In der nordhessischen Stadt erhöhte
sich am Mittwoch die Zahl der Infektionen pro 100 000 Einwohner in
sieben Tagen auf 94,2, wie ein Sprecher mitteilte. Sie ist damit die
Region mit der höchsten Inzidenz in Hessen. Am Vortag hatte der Wert
noch bei 33,7 gelegen. Die fünfte Warnstufe des Präventions- und
Eskalationskonzeptes des Landes greift ab 75. Die Stadt kündigte
weitere Beschränkungen des öffentlichen Lebens an.

Hauptursache für den Anstieg ist laut Stadt ein Corona-Ausbruch in
der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge im Stadtteil
Niederzwehren. Seit Freitag stehen dort 301 Bewohner unter
Quarantäne. Nach bisher vorliegenden Ergebnissen aus
Laboruntersuchungen seien mindestens 111 Personen mit Covid-19
infiziert. Ohne Berücksichtigung dieses Ausbruchs liege die Inzidenz
in Kassel bei 42,1.

«Bei dieser Lage in der Erstaufnahmeeinrichtung handelt es sich um
ein besonderes Ausbruchsgeschehen, auf das wir mit der umgehenden
Quarantäneanordnung bereits reagiert haben», sagte Oberbürgermeister

Christian Geselle (SPD). Als erste Konsequenz fänden größere
Veranstaltungen mit mehr als 250 Teilnehmern zunächst nicht statt. So
werde eine Waffenbörse abgesagt. Sportveranstaltungen wie die
Heimspiele des KSV Hessen Kassel und der MT Melsungen finden ohne
Zuschauer statt. Ab Donnerstag seien private Feiern mit mehr als 25
Personen untersagt. Für Feiern in privaten Räumen, insbesondere in
Wohnungen, werde eine Höchstteilnehmerzahl von 10 Personen dringend
empfohlen.

Kassel ist die fünfte Region in Hessen, die die als kritisch geltende
Inzidenz von 50 überschreitet. Aktuell liegen auch die Städte
Frankfurt (70,9) und Offenbach (86,7) sowie die Kreise Groß-Gerau
(61,6)und Main-Taunus (53,6) über dem Wert. Ab einem Wert von 75
greift die fünfte Warnstufe des Präventions- und
Eskalationskonzeptes. Dann übernimmt der Planungsstab des Hessischen
Ministeriums für Soziales und Integration die Steuerung der
medizinischen Lage.