Eichsfeld wird Risikogebiet - Maskenpflicht ausgeweitet

13.10.2020 18:02

Eine Familienfeier war der Auslöser - nun gilt das Eichsfeld als
Corona-Risikogebiet. Der Kreis verschärft die Corona-Maßnahmen. Doch
es gibt bereits Infektionsketten. Die Landesregierung rechnet im Zuge
der Herbstferien mit einem weiteren Anstieg der Infektionszahlen.

Heilbad Heiligenstadt/Erfurt (dpa/th) - Mit einer Ausweitung der
Maskenpflicht und schärferen Anti-Corona-Regeln reagiert das
Eichsfeld auf einen drastischen Anstieg der Infektionszahlen in der
Region. So gelte ab sofort eine Maskenpflicht im Freien bei
Situationen, in denen nicht genügend Abstand gehalten werden könne,
teilte das Landratsamt am Dienstag mit.

Die Verpflichtung zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung gilt laut
einer am Dienstag erlassenen Verfügung zudem auch beim Aufenthalt in
geschlossenen Räumen mit mindestens einer anderen Person sowie in
öffentlichen Einrichtungen und Betrieben. Auch an Bushaltestellen, in
belebten Einkaufsstraßen oder Warteschlangen ist demnach ein
Mund-Nasen-Schutz jetzt Pflicht, wenn der Mindestabstand von 1,50
Meter nicht eingehalten werden kann. Der private Wohnbereich ist von
der Maskenpflicht ausgenommen.

Stand Dienstag gab es im Landkreis 54 aktive Infektionen, wie das
Landratsamt mitteilte. Auch der Wert von Neuinfektionen binnen sieben
Tagen pro 100 000 Einwohner lag bei 54. Damit gilt das Eichsfeld als
Risikogebiet - der kritische Schwellenwert dafür liegt bei 50.

Laut einer Sprecherin des Landratsamtes geht der Infektionsausbruch
im Eichsfeld auf eine Familienfeier zurück. Dadurch seien
Infektionsketten entstanden, die aber bisher noch nachverfolgt werden
können.

Alle 57 Schulen im Eichsfeld schränken ab Mittwoch ihren Betrieb
wieder ein. Nach Angaben des Bildungsministeriums wechseln sie in die
Stufe Gelb. Demnach seien unter anderem Einschränkungen des
Präsenzunterrichts vor Ort möglich, hieß es. Mit der Maßnahme solle
n
vor allem Menschen mit Risiko zu einem schweren
Covid-19-Erkrankungsverlauf geschützt werden.

Um auf höhere Infektionsraten an den Schulen oder im jeweiligen
Landkreis schnell reagieren zu können, hatte das Bildungsministerium
in Thüringen ein Stufenkonzept eingeführt. Während Stufe Grün
Regelbetrieb bedeutet, gibt es bei Stufe Gelb erste Einschränkungen.
So ist dann etwa abwechselnder Unterricht in der Schule und zu Hause
möglich. Stufe Rot bedeutet in der Regel, dass die Schule wegen eines
Corona-Ausbruchs vorübergehend geschlossen bleibt.

Derweil rechnet die Thüringer Landesregierung angesichts der nächste
Woche beginnenden Herbstferien mit weiter steigenden
Infektionszahlen. «Wir wissen, dass angesichts der Herbstferien mit
vielen Reisen und steigenden Infektionszahlen zu rechnen ist»,
erklärte Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) nach
einer Kabinettssitzung. Wichtig seien regionale und lokale
Anti-Corona-Maßnahmen, «so zielgenau wie möglich».

Thüringen setzt bereits seit Monaten darauf, dass die
Anti-Corona-Regeln nur dort verschärft werden, wo es zu einem
deutlichen Anstieg der Infektionszahlen gekommen ist. Zuletzt zeigten
die landesweiten Statistiken immer mehr Neuinfektionen pro Tag. In
der vergangenen Woche wurden im Durchschnitt so viele Neuinfektionen
pro Tag gemessen wie seit Ende April/Anfang Mai nicht mehr. Im
Schnitt infizierten sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums pro
Tag im Freistaat mehr als 33,9 Menschen mit dem Coronavirus. In der
Woche vom 28. April bis 4. Mai lag der Wert bei 35,3, eine Woche
später bei 33. Der Höhepunkt bei den täglichen Neuansteckungen im
Wochendurchschnitt wurde in Thüringen Ende März festgestellt, als der
Wert auf 60,3 gestiegen war.

Mit Stand Dienstag wurden in Thüringen binnen 24 Stunden 46
Neuinfektionen registriert. Die Gesamtzahl der Infizierten stieg
damit auf 4488, davon galten 3960 als genesen.

«Es ist wichtig, dass wir uns im Kabinett wieder intensiver und
regelmäßiger mit den Auswirkungen der Pandemie in Thüringen
beschäftigen», erklärte Siegesmund. Seit Dienstag bespricht das
Kabinett die Corona-Situation wieder wöchentlich. Siegesmund sagte,
dass die Landesregierung gemeinsam mit dem wissenschaftlichen
Corona-Beirat immer wieder prüfen werde, «was nötig und angemessen
ist».