Vorschlag für Ferienverlängerung wegen Corona stößt auf Ablehnung

13.10.2020 11:36

Debatten über die Länge und den Zeitpunkt von Schulferien sind immer
ein Aufreger. Das war in der Vergangenheit schon oft beim Thema
Sommerferien der Fall. Wegen Corona gibt es nun die Idee, die
Winterferien zu verlängern. Die kommt aber nicht gut an.

Berlin (dpa) - Der Vorschlag zweier Unionspolitiker, wegen Corona die
Winter- oder Weihnachtsferien zu verlängern, stößt auf Ablehnung. Der

stellvertretende Unionsfraktionschef Thorsten Frei, sagte am Dienstag
bei RTL/ntv: «Angesichts der Verbreitungswege, die derzeit
dominieren, befürchte ich, dass wir durch eine Verlängerung der
Weihnachtsferien viel Unruhe stiften, aber letztlich keinen
durchgreifenden Erfolg erringen.»

Er verwies auch auf die Zeitplanung der Eltern, die ihren beruflichen
Verpflichtungen nachkommen müssten. Entscheidend für eine Eindämmung

der Pandemie sei vielmehr, dass alle die Abstands- und Hygieneregeln
ernstnähmen. Er habe manchmal den Eindruck, dass selbst junge Schüler
damit viel disziplinierter umgingen, als junge Erwachsene, die in den
Innenstädten feierten als gäbe es kein Virus.

Eine Absage an den Vorschlag kam auch aus verschiedenen
Ländern: Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU)

teilte mit, sie sei skeptisch, ob der Vorschlag zur
Ferienverlängerung eine geeignete Schutzmaßnahme darstelle. «Auch
Ende Januar ist der Winter ja noch nicht vorbei, deshalb ist das ein
wenig zu kurz gedacht.» Mit einer solchen Maßnahme würde man außerd
em
eine ganze Reihe von neuen Probleme auslösen und die Schulen vor
zusätzliche organisatorische Herausforderungen stellen.

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte der
Deutschen Presse-Agentur: «Öffentliche Schulferiendebatten helfen
jetzt niemandem und sind überflüssig wie ein Kropf». Gemeinsames Ziel

von Bund und Ländern, Kindern, Jugendlichen, Familien sowie der
Wirtschaft sei es, die Schulen für möglichst viele Schüler offen zu
halten. Dies sollte im Regelbetrieb geschehen und falls notwendig,
regional oder punktuell im Wechselbetrieb mit Präsenz- und
Online-Unterricht.

Der Hamburger CDU-Chef Christoph Ploß hatte der «Bild» gesagt: «Wir

sollten darüber nachdenken, die Winterferien um zwei bis drei Wochen
zu verlängern und im Sommer entsprechend zu kürzen.» Ziel müsse sei
n,
bestmöglich durch die Pandemie zu kommen. Sein Fraktionskollege
Stephan Pilsinger (CSU) regte sogar bis zu vier Wochen längere
Weihnachtsferien mit entsprechender Kürzung der Oster- und
Sommerferien an. «Das Wohl der Schüler und Lehrer muss im Vordergrund
stehen», begründete er seinen Vorschlag.

Der stellvertretende FDP-Fraktionschef im Bundestag, Christian Dürr,
bezeichnete den Vorschlag als Unsinn. Dürr sagte der Deutschen
Presse-Agentur: «Eine kurzfristige Verlängerung der Winterferien
würde die Planung von Millionen Familien kaputtmachen. In diesem Jahr
gab es genug Schulausfall. Die Kinder müssen die Inhalte nachholen
und das dürfen wir nicht immer weiter nach hinten verschieben.» Der
Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery sagte zur
Idee der Ferienverlängerung im Deutschlandfunk: «So ein Quatsch».
Damit verunsichere man nur Schüler, Eltern und Lehrer.

Eine Sprecherin der Präsidentin der Kultusministerkonferenz und
rheinland-pfälzischen Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), sagte
auf Anfrage, dass sich die Kultusministerkonferenz am Freitag
ausführlich mit der Corona-Pandemie befassen werde. Gegenstand der
Beratungen werde dann auch das Thema Winterferien sein.