Köln und Essen über Corona-Warnwert - Sondersitzung der NRW-Regierung

11.10.2020 09:51

Die Zahl der neuen Corona-Infektionen geht in NRW immer weiter nach
oben. Neun Regionen im Land haben den wichtigen Warnwert
überschritten - darunter Köln und Essen. Ministerpräsident Laschet
beruft eilig eine Sondersitzung des Kabinetts ein.

Düsseldorf (dpa/lnw) - Wegen der vielen Neuansteckungen mit dem
Coronavirus in Nordrhein-Westfalen kommt das Landeskabinett von
Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) an diesem Sonntag zu einer
Sondersitzung zusammen. NRW hat seit Tagen die höchsten
Ansteckungsraten aller deutschen Flächenländer. Am Sonntag meldete
das Landeszentrum Gesundheit 34,1 Neuinfektionen pro 100 000
Einwohner in sieben Tagen - das waren 1,7 mehr als am Vortag.

Nach der Millionenstadt Köln haben die neuen Corona-Fälle nun auch in
Essen den wichtigen Wert von 50 überschritten. Die beiden Großstädte

gelten damit genau wie sieben weitere Kreise und kreisfreie Städte in
NRW als Corona-Risikogebiet. Das Überschreiten der 50er-Marke hat
Auswirkungen etwa für Menschen aus der Region, die in Urlaub fahren
wollen. Sie müssen jetzt in den Herbstferien an mehreren deutschen
Ferienzielen einen höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test
vorweisen.

Das Landesgesundheitsministerium schickte daher am Freitag einen
Erlass an die Kommunen, wonach Deutschland-Reisenden aus
Risikogebieten ein kostenfreier Test ermöglicht werden soll. Für die
Umsetzung und Koordinierung der Testmöglichkeiten vor Ort sind die
Kommunen verantwortlich.

Zudem sind Regionen mit mehr als 50 Neuansteckungen pro 100 000
Einwohner in sieben Tagen verpflichtet, weitergehende Einschränkungen
für das öffentliche Leben zu erlassen. So darf in Köln auf Straßen

und Plätzen ab 22.00 Uhr nun kein Alkohol mehr konsumiert werden, an
Party-Hotspots gilt an Wochenenden Alkohol-Verkaufsverbot. In
Fußgängerzonen müssen die Menschen Masken tragen. Essen beschränkte

unter anderem die Teilnehmerzahl von Partys auf höchstens 25.
Außerdem müssen private Feste in angemieteten Räumen oder Gaststätt
en
ab elf Teilnehmern bei den Behörden angemeldet werden. Das gelte auch
für Beerdigungen, teilte die Stadt mit.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) lud seine Minister wegen der
Corona-Entwicklung zu einer Sondersitzung ein, die am Sonntag als
Videoschalte stattfinden soll, wie die Deutsche Presse-Agentur aus
Regierungskreisen erfuhr. Es gehe darum, die Lage der Hotspots im
Land zu erörtern und das weitere Vorgehen im Rahmen der
Coronavirus-Pandemie zu beraten.

Insgesamt lagen in Nordrhein-Westfalen am Sonntag neun Kreise und
kreisfreie Städte über der wichtigen Corona-Warnstufe von 50
Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen und gelten somit
als Corona-Risikogebiet. Spitzenreiter war die Stadt Herne mit 86,3
Neuansteckungen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen - das war
bundesweit der dritthöchste Wert aller 412 Kreise und kreisfreien
Städte. Auch Hagen (71,0), Wuppertal (60,5) und Köln (59,7) lagen
weit oberhalb der wichtigen 50er-Grenze.

In der Stadt Hamm, die mehrere Wochen lang auch bundesweit die
höchsten Neuansteckungs-Werte aller Kreise und kreisfreien Städte
hatte, gingen die Werte weiter spürbar zurück auf nun 58,9. Dahinter
folgten Essen (57,3), der Kreis Recklinghausen (56,8), der Kreis Unna
(54,2) und die Stadt Solingen (51,5).

Von den insgesamt 53 Kreisen und kreisfreien Städten in NRW haben
zehn weitere die sogenannte Vorwarnstufe von 35 Neuinfektionen pro
100 000 Einwohner in sieben Tagen überschritten. Darunter sind
Großstädte wie die Landeshauptstadt Düsseldorf (45,3), Duisburg
(44,9) und Dortmund (36,2).