Bayerns Hausärzte erwarten schwächere Grippe-Welle

11.10.2020 05:00

Die Menschen schützen sich mit Abstandsregeln und Mundschutz gegen
das Coronavirus. Die Maßnahmen haben möglicherweise einen positiven
Nebeneffekt: Mediziner erwarten weniger Grippe-Fälle.

Nürnberg (dpa/lby) - Die Hausärzte in Bayern bereiten sich in der
beginnenden Saison auf eine schwächere Grippewelle vor als in
früheren Jahren. Man könne davon ausgehen, dass die Schutzmaßnahmen
gegen die Corona-Pandemie auch gegen andere Infektionskrankheiten
wirksam seien, sagte der Vorsitzende des bayerischen
Hausärzteverbandes, Markus Beier, der Deutschen Presse-Agentur.

Das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
hatte Ende September mit der Zählung von Grippe-Infizierten begonnen.
Bislang wurden lediglich zwei Fälle registriert (Stand: 25.09.2020,
neuere Zahlen liefert das LGL derzeit nicht). In der vergangenen
Saison 2019/2020 waren von Oktober bis April bayernweit mehr als 54
000 Fälle (nach neuer Definition) gezählt worden.

Erste Erfahrungen von der Wintersaison auf der Südhalbkugel hätten
gezeigt, dass der Corona-Schutz auch die Grippe zurückdrängt, sagte
Beier. «In Australien ist die Grippewelle in diesem Jahr weitgehend
ausgeblieben», sagte der Mediziner. Hinzu komme eine vermutlich
höhere Bereitschaft zur Grippe-Impfung als in früheren Jahren.

«Wir sehen bisher durchaus ein erhöhtes Impfaufkommen», sagte Beier.

Ein flächendeckendes Knappwerden von Grippeimpfstoff in Bayern
erwartet Beier dennoch derzeit nicht. Der Impfstoff werde teilweise
in Wellen ausgeliefert - wer zunächst nur eine erste Charge
abbekommen habe, könne bei hoher Nachfrage kurzfristig in
Schwierigkeiten kommen.

Nach Beiers Angaben werden vor allem Vierfach-Impfstoffe verwendet,
die gegen vier verschiedene Untertypen von Grippe-Erregern
immunisieren. Gegen welche Erreger-Typen geimpft wird, entscheidet
die Weltgesundheitsorganisation jeweils zu Beginn der Saison, unter
anderem auf Grundlage von Erfahrungen in anderen Regionen. Den
größten Impfschutz erlangen laut Beier Menschen, die sich häufiger
gegen Grippe impfen lassen und dann gegen mehr als vier Untertypen
immun sind. Eine Grippe-Impfung habe allerdings nicht den
Immunisierungsgrad anderer Impfungen, etwa gegen Masern.