Viele neue Corona-Fälle: Berlin überschreitet Warnwert von 50

08.10.2020 16:48

Seit Wochen steigen die Berliner Corona-Fallzahlen deutlich. Der
Senat hat reagiert und unter anderem eine Sperrstunde beschlossen.
Aber reicht das?

Berlin (dpa) - Eine der wichtigen Kennzahlen zur Beurteilung der
Corona-Lage ist erstmals für ganz Berlin über den Warnwert von 50
gestiegen. Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000
Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage liegt in der
Hauptstadt nun bei 52,8. Das geht aus dem Corona-Lagebericht der
Senatsgesundheitsverwaltung vom Donnerstag hervor. Der Wert war
zuletzt stetig gestiegen. In Hinblick auf mögliche Maßnahmen des
Senats ist in Berlin allerdings ein eigenes Frühwarnsystem
entscheidend.

Die Marke von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb der
vergangenen Woche gilt als ein zentrales Kriterium: Bund und Länder
hatten vereinbart, dass in besonders betroffenen Gebieten, die den
Wert überschreiten, örtliche Gegenmaßnahmen ergriffen werden. In
mehreren Berliner Innenstadtbezirken liegt die sogenannte
Sieben-Tages-Inzidenz schon einige Tage teils weit über 50, sie
wurden deshalb von einigen Bundesländern zu Risikogebieten erklärt.

Laut Lagebericht kamen am Donnerstag in Berlin 498 neue bestätigte
Corona-Fälle hinzu. Das ist der stärkste Anstieg seit Beginn der
Pandemie. Insgesamt erkrankten damit bislang nachgewiesen 17 112
Menschen in der Hauptstadt an Covid-19. 13 965 gelten als genesen -
178 mehr als am Vortag. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit
Corona stieg um einen auf 233.

Am vergangenen Dienstag hatte der Berliner Senat bereits weitere
Maßnahmen zur Eindämmung des Virus beschlossen: Diese zielen mit
einer Sperrstunde und strengeren Kontaktverboten für drinnen und
draußen besonders auf das Nachtleben ab. Die Regeln gelten ab Samstag
(10. Oktober).

Die Behörden führten den Fallzahlenanstieg in den vergangenen Wochen
insbesondere auf private Feiern und illegale Partys zurück. Seit 3.
Oktober gelten in Berlin auch schon weitere Beschränkungen, darunter
eine Maskenpflicht in Bürogebäuden. Bis sich solche Maßnahmen in den

Infektionszahlen niederschlagen können, dauert es einige Zeit.

Hintergrund der Beschlüsse ist auch, dass der Berliner Senat
abweichend von der Bund-Länder-Vereinbarung im Mai ein eigenes
Warnsystem beschlossen hat, die sogenannte Corona-Ampel. Dabei ist
die Zahl der Neuinfektionen nur einer von drei Indikatoren.
Berücksichtigt werden auch die sogenannte Reproduktionszahl, bei der
die Ampel aktuell auf Gelb steht, und die Belegung von Intensivbetten
mit Corona-Infizierten - hier steht die Ampel auf Grün.

Dieses System signalisierte dem Senat bereits vor geraumer Zeit
Beratungs- und Handlungsbedarf: Die Grenzwerte für neue Corona-Fälle
sind niedriger angesetzt als in der Bund-Länder-Absprache. Bereits ab
20 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen zeigt die
Ampel gelbes, ab 30 rotes Licht - vorausgesetzt, der Wert wird drei
Tage in Folge überschritten.