Kreis Esslingen ist Corona-«Hotspot» - schärfere Auflagen sicher

08.10.2020 10:44

Wirklich froh dürfte Landrat Eininger nicht sein über den Titel: Sein
Esslingen ist nun auch offiziell ein Corona-«Hotspot». Das hat Folgen
- für Feiern, für Betriebe und auch für Reisen, die Esslinger
unternehmen wollen.

Stuttgart (dpa/lsw) - Angesichts des deutlichen Anstiegs der
Corona-Fälle im Kreis Esslingen hat der Landrat des derzeit einzigen
baden-württembergischen «Hotspots» die Menschen in der Region
ermahnt. «Die Sorglosigkeit muss jetzt enden», sagte Heinz Eininger
der «Eßlinger Zeitung» (Donnerstag). Die Abstände müssten auch im

privaten Umfeld eingehalten werden, sonst würden die Zahlen rasch
weiter steigen.

Der Kreis Esslingen hatte am Vortag als erste Region im Land die
kritische Marke von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb
von sieben Tagen überschritten und gilt nun offiziell als einer von
aktuell rund zehn innerdeutschen «Hotspots». Eininger will am
Donnerstag (14.00 Uhr) über konkrete Maßnahmen gegen die weitere
Verbreitung des Virus informieren. Möglich wären unter anderem
weitere Auflagen für private Feiern, Besuchsverbote für bestimmte
Einrichtungen und Betriebe sowie eine Maskenpflicht im öffentlichen
Raum. Einschränkungen müssten «verhältnismäßig» sein. «Wir
machen
keine globalen Lockdowns, sondern gehen sehr differenziert vor»,
sagte Eininger.

Allerdings könnte der neue Corona-Wert auch Folgen haben für Reisen,
die aus oder in den Kreis unternommen werden. Denn als Reaktion auf
die steigenden Fallzahlen hatten die Bundesländer am Mittwoch
mehrheitlich beschlossen, dass innerdeutsche Urlauber aus
Risikogebieten nur dann beherbergt werden dürfen, wenn sie einen
höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test vorweisen können.
Greifen soll dies in der Regel für Reisende aus Gebieten mit mehr als
50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen - also
nach dem derzeitigen Stand auch für den Kreis Esslingen.

Landrat Eininger führt die steigenden Corona-Zahlen vor allem auf
Reiserückkehrer aus den Balkanstaaten und aus der Türkei zurück, die

das Virus in ihren hier lebenden Familien verbreiteten. Der
baden-württembergische Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) sieht
das ähnlich und spricht von einer «besorgniserregenden Entwicklung».

Das Land stehe im engen Kontakt mit dem Landkreis, auch was die
anstehenden schärferen Maßnahmen betreffe.

Nach dem Erreichen der sogenannten Eingriffstufe dürfen in Kreisen
und Kommunen an privaten Feiern in öffentlichen oder angemieteten
Räumen höchstens noch 25 Menschen teilnehmen. Voraussetzung für diese

Stufe ist eine Sieben-Tages-Inzidenz von 50 Fällen pro 100 000
Einwohner in der Region. In privaten Räumen werden dann nicht mehr
als zehn Teilnehmer empfohlen.

Wird in einem Landkreis binnen sieben Tagen die Zahl von 35
Corona-Fällen pro 100 000 Einwohner überschritten, soll die Zahl der
Teilnehmer einer Feier in öffentlichen oder angemieteten Räumen auf
maximal 50 Teilnehmer festgelegt werden. In privaten Räumen werden
dann 25 Teilnehmer empfohlen. Diese regionalen Maßnahmen werden nicht
über die allgemeine Corona-Verordnung des Landes geregelt, sondern
von den Gesundheitsbehörden in den Städten und Kreisen.

Bereits am Montag hatte der Kreis Esslingen die Auflagen für private
Feiern und Zusammenkünfte eingeschränkt, weil die Vorwarnstufe von
mehr als 35 Corona-Neuinfektionen überschritten worden war. Auch
Stuttgart (38,4), Mannheim (37,3) und der Stadtkreis Heilbronn (35,5)
lagen zuletzt über der kritischen Marke von 35 Neuinfektionen.

Mit der Verschärfung folgen die Kreise und Kommunen der Empfehlung
der Bund-Länder-Kommission von Ende September, die insbesondere der
Verbreitung von Infektionen im Rahmen von Feierlichkeiten im
Familien- und Freundeskreis vorbeugen soll.

Die Zahl der nachgewiesenen Coronavirus-Infektionen im ganzen Land
stieg am Mittwoch im Vergleich zum Vortag um 652 Fälle. Insgesamt
haben sich nun 52 222 Menschen nachweislich mit dem Erreger
Sars-CoV-2 angesteckt, wie das Landesgesundheitsamt mitteilte. Die
Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg um vier auf
1898.