Surfbrett, Gitarre, Menschen: Schau in Fürth zeigt Röntgenfotografie

08.10.2020 05:00

So ziemlich jeder hat am eigenen Leib schon erfahren, was
Röntgenstrahlen bewirken können. Ihre Entdeckung vor 125 Jahren ist
bedeutend für Medizin, Forschung, Industrie - und für die Kunst.

Fürth (dpa/lby) - Ein alter VW-Käfer, ein Surfbrett, eine Gitarre,
ein Mensch mit Kopfhörern - für seine Fotokunst durchleuchtet der
Brite Nick Veasey alles mögliche mit Röntgenstrahlen. 125 Jahre nach
Entdeckung der Röntgenstrahlen zeigt die Städtische Galerie in Fürth

in einer Ausstellung eine Auswahl seiner Werke. Gedruckt auf 22
Stoffbahnen hat der Künstler diese zu einer raumgreifenden
Installation entwickelt, die ab Samstag (10. Oktober) zu sehen ist.

Am 8. November 1895 experimentierte der Physiker Wilhelm Conrad
Röntgen in seinem Würzburger Labor und entdeckte dabei zufällig die
nach ihm benannten Strahlen. Er selbst nannte sie X-Strahlen. Diese
durchdringen viele Materialien. Mit ihrer Hilfe lassen sich auf
Röntgenbildern Knochenbrüche erkennen. Sicherheitsdienste nutzen sie,
um Koffer und Taschen zu durchleuchten. In der Industrie lassen sich
mit ihnen Bauteile prüfen und im Labor die Strukturen von Kristallen
analysieren.

Diese Eigenschaft macht sich auch der 1962 in London geborene Veasey
für seine Fotografien zunutze. «Er blickt sozusagen hinter die
Oberfläche der Dinge», sagte Galerie-Leiterin Natalie de Ligt. «Das
ist das Spannende an seinen einzigartigen Bildern.»

Aufnahmen von Tieren, Pflanzen, Autos und sogar einem ganzen Flugzeug
hat Veasey mit seiner speziellen Röntgentechnik schon gemacht. Als
Atelier dient ihm ein eigens eingerichteter Röntgenraum mit dicken
Betonwänden, in dem mehrere Röntgengeräte mit unterschiedlicher
Leistung stehen. Wenn ein Objekt zu groß für eine Aufnahme ist,
zerlegt er dieses zum Röntgen in Einzelteile und setzt die einzelnen
Bilder später digital zusammen. Dabei lässt er auch ganze Szenen
entstehen wie einem Erwachsenen mit Kind und Hund im Auto auf dem Weg
zum Strand.

Seine künstlerische Arbeit hat Veasey schon früher nach Fürth
gebracht. 2014 nutzte er einen riesigen Computertomografen am
Fraunhofer-Institut, um das Innenleben eines Ferraris abzulichten.
Jetzt kommt er erneut in die Stadt am Rande Nürnbergs: Die
Ausstellung «Nick Veasey - Inner Visions» werde der Künstler am
Freitag selbst eröffnen, sagte de Ligt. Diese soll bis zum 20.
Dezember zu sehen sein.