Mehr Corona-Ansteckungen in NRW - Aber kein Beherbergungsverbot

07.10.2020 21:07

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Nordrhein-Westfalen steigt
weiter. In Hamm und Remscheid bleiben weiterhin oberhalb der
Warngrenze. Das Land will die Schutzmaßnahmen derzeit aber nicht
verschärfen und verhängt auch kein Beherbergungsverbot.

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in
Nordrhein-Westfalen nimmt weiter deutlich zu. Am Mittwoch meldete das
Landeszentrum Gesundheit landesweit 25,4 Neuinfektionen pro 100 000
Einwohner innerhalb von sieben Tagen - so viele wie zuletzt Mitte
April. Damit steht NRW nach Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) an
der Spitze aller deutschen Flächenländer. Ein Beherbergungsverbot für

Reisende aus Risikogebieten wird in NRW zunächst nach Angaben von
Staatskanzlei-Chef Nathanael Liminski (CDU) zunächst nicht
ausgesprochen.

«Es gibt keinen Automatismus», sagte Liminski nach einer
Schaltkonferenz der Chefs der Staatskanzleien der Länder mit
Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) am Mittwoch. Dieses Instrument
könne genutzt werden, wenn das NRW-Gesundheitsministerium bestimmte
Regionen entsprechend ausweise. Dafür müsse es ein «anhaltend
diffuses Infektionsgeschehen geben». Die Corona-Schutzverordnung des
Landes sehe diese Möglichkeit seit Juli vor. Werde die Marke von mehr
als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen
erreicht, sei das aber nicht zwingend der Auslöser für ein
Beherbergungsverbot.

Von den 53 Kreisen und kreisfreien Städten im Land ist in fast jedem
fünften Verwaltungsgebiet (10) die Vorwarnstufe von 35 Neuinfektionen
pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen überschritten. Ab
diesem Wert gelten in NRW bereits Einschränkungen etwa für private
Feiern, Fußball-Bundesligaspiele müssen ohne Zuschauer stattfinden.

Besonders betroffen war nach offiziellen Zahlen des RKI vom Mittwoch
weiterhin die Stadt Hamm, die mit 94,9 Neuinfektionen pro 100 000
Einwohnern in einer Woche auch bundesweit weiterhin an der Spitze
stand. Auch Remscheid lag mit einem Wert von 61,3 weiterhin über der
wichtigen Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer
Woche. Ab diesem Wert müssen die Behörden in NRW zwingend
weitergehende Einschränkungen für das öffentliche Leben erlassen.

Am Abend teilte die Stadt Wuppertal mit, dass nun auch dort der
Grenzwert überschritten sei. Der Krisenstab werde am Donnerstagmorgen
über Maßnahmen beraten.

Knapp unter der Grenze lagen laut RKI Solingen und Hagen (beide
47,7). Dahinter folgten Gelsenkirchen (43,0), Duisburg (42,1), Essen
(39,6), Köln (39,6) und Leverkusen (38,5).

Vor diesem Hintergrund plant das Land NRW derzeit aber keine weiteren
Verschärfungen bei den Schutzmaßnahmen. Statt neuer sollen die
derzeitigen Regelungen stärker durchgesetzt werden, wie eine
Sprecherin des NRW-Gesundheitsministeriums sagte. «Die
Landesregierung beobachtet das Infektionsgeschehen fortlaufend und
befindet sich mit den besonders betroffenen Kommunen im Austausch»,
teilte das Ministerium am Mittwoch mit.

Nach Angaben der Stadt geht die Zahl der Neuinfektionen in Hamm zwar
nur in sehr kleinen Schritten zurück. Eine weitere Verschärfung der
Maßnahmen sei aber nicht geplant. In Hamm gelten bereits - vorerst
bis Ende Oktober - schärfere Corona-Regeln als vom Land vorgegeben.
So müssen private Feiern auch in der eigenen Wohnung ab einer
Teilnehmerzahl von 25 Personen bei der Stadt angemeldet werden. Erst
wenn die Neuinfektionen unter den Wert von 50 sinken, gilt eine
Meldepflicht ab 50 Teilnehmern.

In Hamm war es zu zahlreichen Corona-Infektionen nach einer
Hochzeitsfeier gekommen. Nach Angaben eines Stadtsprechers stehen die
bislang gemeldeten Infektionen fast ausschließlich im Zusammenhang
mit dieser Feier. Bei der Nachverfolgung seien zum Teil Verbindungen
über mehrere Stationen entdeckt worden.

Die Stadt Essen beschloss angesichts der Überschreitung der
Infektionskennzahl von 35, vom kommenden Montag an Privatfeiern im
öffentlichen Raum auf 50 Teilnehmer zu begrenzen. Feiern mit mehr als
25 Teilnehmern müssen beim Ordnungsamt angemeldet werden. «Das
Ordnungsamt ist auf zahlreiche Anmeldungen vorbereitet», sagte eine
Sprecherin. Andere Kommunen mit Anmeldepflicht hatten von
dreistelligen Anmeldezahlen in kurzer Zeit berichtet.

Sollte die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den
vergangenen sieben Tagen die Zahl 50 überschreiten, werde die
Teilnehmerzahl bei Feiern auf 25 begrenzt. Alle Maßnahmen würden mit
dem Land und der Bezirksregierung abgestimmt, sagte eine Sprecherin.
Essen hatte am Mittwochmorgen bei dem wichtigen Warnwert 39,6
Corona-Infektionen erreicht.