Viele Fragezeichen für Berliner vor Reisezeit in Herbstferien

07.10.2020 17:53

Wer in den Herbstferien aus dem Corona-Hotspot Berlin verreisen will,
hat ein Problem. Zwar will der Norden Quarantäne-Regeln lockern,
gleichzeitig droht aber neues Ungemach.

Kiel/Berlin/München (dpa/bb) - Kurz vor den Herbstferien ab kommender
Woche gibt es womöglich gute, aber auch schlechte Neuigkeiten für
Berliner, die eine Reise planen. Zuerst die gute: Schleswig-Holstein
will seine strengen Quarantäne-Auflagen für Einreisende aus
inländischen Corona-Risikogebieten lockern. Das kündigte
Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am Mittwoch in Kiel an.

Ab Freitag reicht es, bei Ankunft in einem Hotel oder einer
Ferienwohnung einen maximal 48 Stunden alten negativen Coronatest
vorzulegen - beispielsweise, um den Herbsturlaub an Nord- oder Ostsee
zu verbringen. Ausgenommen davon sind Familienbesuche oder
Pendelverkehre zu beruflichen Zwecken.

Und: Künftig will man Berlin als Ganzes behandeln, wie es in Kiel
weiter hieß. Bislang hat Schleswig-Holstein wegen hoher Corona-Zahlen
neben zwei NRW-Landkreisen vier Berliner Bezirke als Risikogebieten
eingestuft. Das stieß auf viel Kritik in der Hauptstadt. Berlin als
Ganzes gilt - zumindest noch - nicht als Risikogebiet. Am Mittwoch
lag die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben
Tagen bei 47,2 und damit nur noch knapp unter dem Schwellenwert von
50.

Wird der erreicht - und das kann gut sein - dürfte Reisen für alle
Berliner im Inland schwierig werden. Denn ab 50 Neuinfektionen pro
100 000 Einwohner binnen sieben Tagen in einer Region sollen nach dem
Willen etlicher Länder und des Bundes deutschlandweite
Beherbergungsverbote gelten. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur
aus Teilnehmerkreisen nach einer Schaltkonferenz der Chefs der
Staatskanzleien der Länder mit Kanzleramtschef Helge Braun (CDU).

Allerdings will Berlin hier nicht mitmachen. «Vier Bundesländer,
darunter Berlin, wollen aktuell keine Beherbergungsverbote
aussprechen», sagte Senatssprecherin Melanie Reinsch der dpa.

In Bayern gibt es ein solches Beherbergungsverbot, und es soll ab
Donnerstag auch für Reisende aus Corona-Hotspots innerhalb Berlins
gelten. Das kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch

in München an. Damit dürfen Reisende aus den Berliner Bezirken, in
denen es mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen
sieben Tagen gibt, ohne negativen Corona-Test nicht mehr in
bayerischen Hotels und Gaststätten übernachten.

Dies soll auch dann gelten, wenn das Land Berlin insgesamt unter der
kritischen 50er-Marke bleibt. Konkret müssen die betreffenden Bezirke
aber noch vom bayerischen Gesundheitsministerium benannt und
veröffentlicht werden. Es dürfte sich um Neukölln, Mitte,
Friedrichshain-Kreuzberg und Tempelhof-Schöneberg handeln, womöglich
auch um Charlottenburg-Wilmersdorf.