Trump vergleicht Corona nach Klinik-Aufenthalt wieder mit Grippe

06.10.2020 18:17

Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat das Coronavirus nach
seinem Krankenhausaufenthalt wegen einer Infektion mit dem neuartigen
Erreger erneut mit der Grippe verglichen. «Die Grippesaison steht vor
der Tür! Jedes Jahr sterben viele Menschen an der Grippe, manchmal
mehr als 100 000, und trotz der Impfung. Legen wir unser Land still?
Nein, wir haben gelernt, damit zu leben, so wie wir lernen, mit Covid
zu leben, das in vielen Bevölkerungen weit weniger tödlich ist!!!»,
schrieb Trump am Dienstag auf Twitter.

Der Kurznachrichtendienst versteckte den Tweet mehrere Stunden später
hinter einem Hinweis, in dem zu lesen war, dass der Tweet
«irreführende und potenziell gefährliche Informationen» über Covi
d-19
verbreite. Da möglicherweise ein öffentliches Interesse daran
bestehe, bleibe er aber zugänglich. Der Tweet kann allerdings nur
noch mit einem Kommentar weiterverbreitet werden. Auf Facebook war
die Nachricht gar nicht mehr zu finden.

Am Freitag war bekannt geworden, dass sich Trump mit dem Coronavirus
angesteckt hat. Am Montag rief er die Amerikaner auf, keine Angst vor
dem Virus zu haben. In den USA sind seit Beginn der Pandemie mehr als
210 000 Menschen nach einer Infektion gestorben, in absoluten Zahlen
mehr als in jedem anderen Land der Welt. Der US-Gesundheitsbehörde
CDC zufolge starben in den USA seit 2010 jährlich zwischen 12 000 und
61 000 infolge einer Grippe.

Besonders zu Beginn der Pandemie hatte Trump Covid-19-Erkrankungen
wiederholt mit einer Grippe-Infektion verglichen. Im September wurde
bekannt, dass Trump die gravierenden Risiken des Virus bewusst waren:
Im Gespräch mit dem Investigativjournalisten Bob Woodward hatte er im

Februar gesagt, Covid-19 sei «tödlicher» als eine schwere Grippe.

Wegen seiner Corona-Infektion sind Trump eine Reihe von Medikamenten
verabreicht worden, darunter ein noch experimentelles
Antikörper-Mittel. Nach Einschätzung des renommierten Immunologen
Anthony Fauci könnte dies entscheidend zu einer schnellen
Verbesserung von Trumps Gesundheitszustand beigetragen haben. Nach
Angaben seines Leibarztes Sean Conley ist Trumps Erkrankung aber
trotz der Rückkehr ins Weiße Haus noch nicht ausgestanden.