Söder: Corona in Berlin «am Rande der Nicht-mehr-Kontrollierbarkeit»

06.10.2020 12:43

München (dpa) - Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat die

Verantwortlichen in der Bundeshauptstadt zu einem entschiedeneren
Kampf gegen die steigenden Berliner Corona-Zahlen aufgerufen. «Mir
macht die Berliner Situation ausdrücklich Sorgen. Ich befürchte, das
ist am Rande der Nicht-mehr-Kontrollierbarkeit», sagte Söder am
Dienstag vor einer Kabinettssitzung in München. Er verwies darauf,
dass München es mit verschärften Anti-Corona-Maßnahmen geschafft
habe, den Anstieg der Infektionszahlen zu bremsen. Dazu zählten etwa
eine zeitweilige Maskenpflicht in Teilen der Innenstadt und
zeitweilige strengere Kontaktbeschränkungen. Man könne nur «dringend

raten», solche Maßnahmen zu ergreifen, sagte Söder Richtung Berlin.

Er habe den Eindruck, die Berliner Gesundheitssenatorin kämpfe sehr.
«Aber sie wird ein Stück weit allein gelassen.» Angesichts des
«seltsamen Systems» von Bezirksregierungen gebe es dort kaum eine
einheitliche Strategie. Man sei in Berlin an einer «gefährlichen
Schwelle» - das sage er aber mit Sorge, nicht mit einem Zeigefinger.
Manche Anti-Corona-Maßnahmen würden in Berlin aber entweder nicht
oder kaum vollzogen - das sei der Eindruck, den viele aktuell hätten.

«Wir wollen auf keinen Fall eine Situation haben wie in Madrid, wir
wollen keine Situation haben wie in Paris, dass wieder im Prinzip ein
kompletter Lockdown erfolgen muss, dass wieder das öffentliche Leben
auf Null gestellt wird», betonte Söder. So etwas wolle man in
Deutschland nicht wieder haben. Er warnte vor erheblichen
Auswirkungen auf Schule, Kitas, Wirtschaft und Gesellschaft. «Mehr
Maske, weniger Alkohol und kleinere Partys - nur so können wir die
Infektionsausbreitung in den Griff bekommen», betonte Söder.

«Wir machen uns wirklich Sorgen, wie das weitergeht in Deutschland»,
sagte Söder und fügte hinzu: «Die Lage ist sehr unsicher.» Man mü
sse
deshalb weiter mit einem hohen Maß an Disziplin und Vernunft agieren.
«Dann, glaube ich, können wir auch diesen Winter gut überstehen.»