Mehr Abfall in rheinland-pfälzischen Städten

10.07.2020 05:00

Clubs und Diskotheken sind geschlossen, Volksfeste finden nicht
statt. Viele Menschen weichen deshalb ans Rhein- und Moselufer oder
Parks aus - und hinterlassen dort ihren Müll. Die Städte reagieren
mit mehr Mülltonnen und häufigerer Leerung.

Koblenz (dpa/lrs) - Mehr Mitnahme-Becher, Plastikverpackungen oder
illegaler Müll - in einigen rheinland-pfälzischen Kommunen ist die
Müllmenge in Zeiten von Corona angestiegen. Vor allem seit den
Lockerungen der Kontaktbeschränkungen gebe es in Koblenz mehr Abfall
im öffentlichen Raum, teilte Sprecher Thomas Knaak mit. Hauptproblem
seien die Verpackungen.

Das bestätigte auch sein Trierer Kollege. Müll-Hotspots entstehen
demnach am Trierer Aussichtspunkt Petrisberg oder an verschiedenen
Teilen des Moselufers. Das gilt ebenso für die Koblenzer Altstadt,
das Deutsche Eck und das Rheinufer. Zwar werden diese Bereiche nach
Angaben der Stadt Koblenz ohnehin täglich gereinigt, an den
Wochenenden musste die Stadtreinigung aber zuletzt noch häufiger ran.
«An beliebten Spazierwegen sind die Papierkörbe überfüllt, weil die

Menschen sich länger draußen aufhalten», erklärte Knaak.

Als Reaktion will die Stadt nun insbesondere am Deutschen Eck
zusätzliche blaue Mülltonnen, wie man sie von Festen kennt,
aufstellen. Zudem sollen die Tonnen und Mülleimer künftig noch
häufiger geleert werden.

Eine ähnliche Strategie verfolgt auch die Landeshauptstadt Mainz.
Hier wurden zwischen Nordmole und Winterhafen zehn zusätzliche 240
Liter fassende Mülltonnen aufgestellt, die dazu beitragen sollen, vor
allem dem Verpackungsmüll Herr zu werden. «To-Go-Verpackungen spielen
in Corona-Zeiten eine größere Rolle als zuvor», sagte Sprecher Ralf
Peterhanwahr. Dieser Müll habe um etwa zehn Prozent zugenommen.

Seit Anfang Juni sind auch aus diesem Grund am Rheinufer und in
manchen Grünanlagen in den Abendstunden des Wochenendes wieder die
Grill-Scouts unterwegs. Nach Angaben der Stadt informieren sie über
Abfallvermeidung beim Grillen und geben Mülltüten aus.

Das Mombacher Rheinufer will die Stadtverwaltung im Sommer verstärkt
kontrollieren. Dieses Naturschutzgebiet vermüllt nach Angaben der
Stadt, zudem würden die Sand- und Wiesenflächen als Liegewiese
genutzt und illegale Trampelpfade getreten.

In Ludwigshafen sind nach Angaben der Stadt zwischen Mitte März und
Anfang Juli über 1300 Meldungen zu illegalen Abfallablagerungen
eingegangen. Es sei allerdings schwierig, einen direkten Zusammenhang
mit der derzeitigen Situation herzustellen, erklärte eine Sprecherin.
Es gingen mehr Menschen bei gutem Wetter spazieren. Außerdem hätten
sie mehr Zeit, Müllansammlungen zu melden.

Im vergangenen Jahr waren es in diesem Zeitraum gut 1800 Fälle. Die
Stadt hatte 2019 den so genannten Mängelmelder eingeführt, womit
Bürger online, via App oder telefonisch angeben können, wo sie
herumliegenden Müll gesichtet haben.

Eine solche App soll in Kaiserslautern ebenfalls das Stadtbild von
Müll frei halten. Und dennoch: Auch hier haben die wilden
Müllablagerungen in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen, wie
eine Sprecherin berichtete. Das Müllaufkommen bei der
Straßenreinigung sei insgesamt um etwa 40 Prozent gestiegen.

Im Landkreis Südliche Weinstraße dagegen ist keine Zunahme illegal
entsorgten Mülls in der Öffentlichkeit festzustellen. Dennoch hat
sich einer Sprecherin zufolge die Menge des Papier- und Sperrmülls
sowohl im privaten als auch im gewerblichen Bereich insgesamt
vergrößert.

Speyer kämpft mit einer breiten Palette Abfall, im Stadtgebiet aber
auch im Stadtwald: Von Verpackungsmüll auf Parkplätzen über Farbeimer

im Wald und Abfallsäcken rund um Altkleidercontainer, Möbeln am
Straßenrand, Fliesen auf Feldwegen, Tapeten und Bauschutt bis hin zu
einem Kühlschrank auf einem Parkplatz. Das berichtete eine
Sprecherin. In Hochzeiten würden die öffentlichen Mülleimer auf der
Hauptstraße, der Maximilianstraße, nun zwei Mal pro Tag geleert.