Laumann: Fast 1900 Mängel in Unterkünften bei Fleischindustrie

08.07.2020 00:01

Der Fakt überrascht nicht mehr - aber die Details sind drastisch: Bei
Kontrollen noch vor dem Fall Tönnies haben die Behörden in 650
Unterkünften von Arbeitern der Fleischindustrie fast 1900 Mängel
festgestellt. Erstaunlich gut sah es bei Erntehelfern aus.

Düsseldorf (dpa/lnw) - Bei der Überprüfung von Unterkünften für
Arbeiter der Fleischindustrie sind bereits bis Mai zahlreiche Mängel
festgestellt worden. Das teilte Gesundheitsminister Karl-Josef
Laumann (CDU) jetzt dem zuständigen Ausschuss im Landtag mit.
Vergleichsweise gering seien die Beanstandungen bei Unterkünften von
Erntehelfern gewesen, so Laumann. Er betonte, dass die Kontrollen nur
durch die Corona-Pandemie möglich gewesen seien - normalerweise sei
das den Behörden gar nicht erlaubt.

Laut Laumann wurden bis Ende Mai 250 landwirtschaftliche Betriebe und
die Unterkünfte von knapp 5800 Saisonarbeitskräften überprüft. Man

habe 170 meist kleinere oder mittlere Mängel gefunden. «Es ist
umgekehrt aber auch festgestellt worden, dass einige
landwirtschaftliche Betriebe sehr vorbildlich hinsichtlich der
Umsetzung von Hygieneschutzmaßnahmen vorbereitet waren», so der
Minister in seinem Bericht.

Bei der Fleischindustrie wurden laut Landesregierung bis Ende Mai -
also noch vor dem massenhaften Corona-Ausbruch bei Tönnies - rund 650
Unterkünfte mit mehr als 5300 Personen überprüft. «Insgesamt wurden

über 1863 mittlere und gravierende Beanstandungen festgestellt», so
Laumann. Dabei sei es um fehlende Desinfektionsmittel und
Überbelegungen aber auch Schimmelpilze, Einsturzgefahr, undichte
Dächer, «katastrophale Sanitäreinrichtungen», Ungezieferbefall und

Brandschutzmängel gegangen. «Vier Wohnungen mussten aufgrund von
erheblichen Baumängeln sowie Gesundheitsgefahren geräumt werden. Zwei
dieser Wohnungen befinden sich in Gütersloh, sowie jeweils eine in
Espelkamp bzw. in Bochum.»

Die Behörden nahmen zudem Unterkünfte von Rumänen unter die Lupe, die

auf deutschem Gebiet wohnen, aber für niederländische Fleischbetriebe
arbeiten. Auch dort wurden «erhebliche Mängel festgestellt», wie das

Ministerium mitteilte. In einem Wohnkomplex mit bis zu 30 Bewohnern
seien zwischen 50 und 100 Beanstandungen festgestellt worden.

«Die Beschwerden über schlechte Wohnverhältnisse der Beschäftigten

von Werkvertragsfirmen der Fleischindustrie von Bürgerinnen und
Bürgern aus betroffenen Regionen sind im Rahmen der außerordentlichen
Überprüfungsmöglichkeit während der Covid-19-Pandemie bestätigt
worden.», bilanzierte Laumann. Dies verdeutliche den Änderungsbedarf
der aktuellen Rechtslage beim Bund - die unter anderem Kontrollen
außerhalb der Pandemie nicht vorsehe.