Wieder mehr Freiheiten im Kreis Gütersloh - Urlaub im Fokus

07.07.2020 03:30

Die Einschränkungen für die Menschen im Kreis Gütersloh sind
aufgehoben. Ein Gericht hat die Anordnung der Landesregierung
gekippt. Vielen geht es vor allem um einen unbeschwerten Urlaub.

Gütersloh (dpa/lnw) - Nach dem vorfristigen Ende der regionalen
Einschränkungen im Kreis Gütersloh haben viele Einwohner neben den
Freizeitaktivitäten in der Ferienzeit vor allem einen unbeschwerten
Urlaub in anderen Teilen Deutschlands im Blick. «Ich freue mich für
die Bürgerinnen und Bürger im Kreis, wir haben jetzt wieder ein Stück

mehr Freiheit. Der Lockdown war eine Belastung, jetzt ist endlich die
Stigmatisierung vorbei», erklärte Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU).

Das Oberverwaltungsgericht für Nordrhein-Westfalen hatte am Montag
eine regionale Corona-Schutzverordnung des Gesundheitsministeriums
für den Kreis Gütersloh gekippt. Die Richter bewerteten die Regeln
für den gesamten Kreis angesichts deutlich gesunkener Werte als nicht
mehr verhältnismäßig. Das Land hätte nach einer ersten Verlängeru
ng
differenzierte Regelungen finden müssen. Auslaufen sollte die
Verordnung ursprünglich in der Nacht zu Mittwoch um Mitternacht.

Die Landesregierung will nach der gerichtlichen Aufhebung der
strengen Corona-Auflagen für den Kreis Gütersloh keine gesonderten
neuen Maßnahmen verfügen - auch nicht für einzelne Gemeinden. Das
machte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) deutlich. Es sei
nicht zu einem Übertritt der Infektionen auf die übrige Bevölkerung
des Kreises Gütersloh gekommen. Vor diesem Hintergrund erwartet die
Landesregierung von NRW eigenen Angaben zufolge, «dass nunmehr auch
alle Beherbergungsverbote in Urlaubsorten aufgehoben werden».

Die bundesweit ersten regionalen Einschränkungen zur Bekämpfung der
Corona-Pandemie erfolgten nach einem massiven Virus-Ausbruch im
Tönnies-Fleischwerk in Rheda-Wiedenbrück mit über 1000 infizierten
Mitarbeitern. Sie galten zeitweise auch für den benachbarten Kreis
Warendorf, in dem ebenfalls viele Mitarbeiter des Werkes wohnen.

Im öffentlichen Raum durften sich demnach nur noch zwei Menschen oder
Menschen aus einem Familien- oder Haushaltsverbund zusammentreffen.
Eine Reihe von Freizeitaktivitäten sollten unterbleiben. Museen,
Kinos, Fitnessstudios und Hallenschwimmbäder mussten geschlossen
bleiben. Vertreter der Kreise sprachen allerdings von einem «Lockdown
light», da Geschäfte und Restaurants weiterhin öffnen durften.

Die Kitas im Kreis Gütersloh können erst ab Mittwoch wieder wie die
in anderen Teilen des bevölkerungsreichsten Bundeslandes öffnen,
teilte die Kreisverwaltung mit. Die vom Kreis verfügte Schließung der
Kitas sei nicht berührt von der Aussetzung des Lockdowns durch das
Oberverwaltungsgericht. Sie laufe am Dienstag aus. Deshalb könne der
eingeschränkte Regelbetrieb ab Mittwoch wieder aufgenommen werden. Es
habe in den vergangenen Wochen einen Notbetrieb in Kitas gegeben. Der
Kreis hatte auch die Schulen kurz vor Ferienbeginn geschlossen.

Das OVG-Urteil hat nach Angaben des Kreises auch keine Auswirkungen
auf die unterbrochene Produktion bei Tönnies im Schlachtbetrieb in
Rheda-Wiedenbrück. «Mit dem Unternehmen sind wir in konstruktiven
Gesprächen und eines ist sicher: Einen Neustart gibt es erst, wenn
alles sicher ist, die Firma Tönnies muss die neuen Konzepte nach den
Vorgaben der Behörden umsetzen», sagte Adenauer laut Mitteilung.

Nach Angaben der Bezirksregierung Detmold sollen die Gespräche mit
Tönnies über das vorgelegte Hygienekonzept für die schrittweise
Wiederaufnahme des Betriebs in Rheda-Wiedenbrück zeitnah fortgesetzt
werden. Die bisherigen Gespräche seien konstruktiv gewesen, sagte ein
Sprecher. Man habe sich auf ein Verfahren geeinigt, unter welchen
Bedingungen, welche Betriebsteile wieder geöffnet werden.
Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. Am Dienstag sollen «erste
Begehungen durch themenspezifische Arbeitsgruppen stattfinden».

Neben den regionalen Einschränkungen setzten die Behörden in NRW auf
umfangreiche Tests in den beiden Kreisen, bei denen unter anderem
auch die Bundeswehr half. Viele Menschen, die in den Urlaub fahren
wollten, standen stundenlang Schlange, um ein Testergebnis wegen
möglicher Vorgaben in einigen deutschen Urlaubsregionen vorweisen zu
können. Die Bundesländer einigten sich dann auf ein einheitliches
Vorgehen. Die Sommerferien begannen in NRW bereits Ende Juni.

Die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen
sieben Tagen lag im Kreis Gütersloh am Montag mit 50,5 nur noch knapp
über dem Grenzwert von 50. Oberhalb dieser Schwelle kommen nach den
Absprachen von Bund und Ländern regionale Einschränkungen zum Schutz
der Bevölkerung in Betracht. Zum Höhepunkt des Corona-Ausbruchs bei
Tönnies lag der Wert im Kreis Gütersloh vor zwei Wochen bei 270,2.