Maske bleibt in Baden-Württemberg Pflicht - Einzelhandel hadert

06.07.2020 12:17

Seit Ende April tragen die Menschen Masken in allen Farben und
Formen, mehr oder weniger konsequent und vor allem beim Einkaufen, in
Bussen und in Bahnen. Nun scheint die bundesweite Solidarität zur
Maskenpflicht erste Risse zu bekommen.

Stuttgart (dpa/lsw) - In der Debatte um eine Aufhebung der
Maskenpflicht hat Baden-Württemberg klar Stellung bezogen: Die
Maskenpflicht wird bleiben, Lockerungen oder gar ein Ende der Auflage
sind nicht geplant, wie eine Sprecherin des Staatsministeriums am
Montag in Stuttgart sagte.

Seit Ende April müssen Mund und Nase in Baden-Württemberg beim
Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr bedeckt werden, ansonsten
droht ein Bußgeld. Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry
Glawe (CDU) hatte sich am Wochenende für ein baldiges Ende der
Maskenpflicht in seinem Bundesland ausgesprochen. Neben
Baden-Württemberg hatten dies auch andere Länder abgelehnt, einige
weitere reagierten verhalten.

«Die Maskenpflicht bleibt ein zentraler Bestandteil unserer
Strategie», sagte die Sprecherin des Staatsministeriums der dpa.
Gemeinsam mit dem Abstandsgebot sei die Pflicht zur
Mund-Nase-Bedeckung ein wirksames Mittel im Kampf gegen das
Coronavirus und weitere Infektionen. Es gebe keinen Anlass zur
Entwarnung, zumal die Ansteckungszahlen weltweit gesehen immer weiter
stiegen.

Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha (Grüne) kritisierte die
jüngste Debatte und warnte: «Wir befinden uns nach wie vor in einer
sehr fragilen Lage. Eine Aufhebung der Maskenpflicht wäre deshalb zum
jetzigen Zeitpunkt das absolut falsche Signal.» Die Diskussion um
eine Lockerung vermittele den Eindruck, die Pandemie sei besiegt
worden. «Das ist mitnichten der Fall», sagte Lucha. Das Virus breite
sich nur nicht aus, weil die meisten Menschen diszipliniert seien.

Gegen ein zeitnahes Ende der Pflicht für den Mund-Nasen-Schutz in
Geschäften haben sich inzwischen neben Baden-Württemberg unter
anderem auch Bayern, Schleswig-Holstein, Brandenburg und Hamburg
ausgesprochen.

Der baden-württembergische Einzelhandel hadert dagegen weiter mit der
Maskenpflicht und bringt ein freiwilliges Tragen ins Spiel:
«Diejenigen, die eine Maske tragen wollen, sollen dies tun, die
anderen sollen weiterhin diszipliniert Abstand halten», sagte die
Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbandes, Sabine Hagmann, der dpa
in Stuttgart. Die Maskenpflicht belaste die Mitarbeiter schwer, sie
trübe das Einkaufserlebnis und halte viele Menschen davon ab, in die
Geschäfte zu kommen.

Das sieht die SPD anders: Viele besorgte Kunden würden Geschäfte
meiden, müsse dort kein Schutz für Mund und Nase mehr getragen
werden, sagte Baden-Württembergs SPD-Landeschef Andreas Stoch. Er
halte eine Aufhebung für den Handel für verfrüht. Die
Infektionszahlen seien begrenzt worden, weil auf Abstand und Hygiene
geachtet werde - und weil dort, wo Abstände nicht eingehalten werden
könnten, Masken getragen würden.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Claus Paal, rief
ebenfalls zur Geduld auf: «Wir wissen immer noch nicht genug darüber,
wie sich das Virus verbreitet. Was wir jedoch wissen ist, dass
geschlossene Räume eine höhere Gefahr der Infektion bergen. Dazu
gehören Läden und auch der ÖPNV.»