Studie: Ein Drittel trinkt in der Krise mehr Alkohol

06.07.2020 04:55

Berlin (dpa) - Der Alkoholkonsum ist bei rund einem Drittel der
Erwachsenen in Deutschland seit der Coronakrise gestiegen. Zu diesem
Ergebnis kommt eine Studie, die das Zentralinstitut für Seelische
Gesundheit (ZI) in Mannheim in Kooperation mit dem Klinikum Nürnberg
durchgeführt hat. 35,5 Prozent der mehr als 3000 an der Studie
Teilnehmenden gaben bei der anonymen Online-Umfrage an, während der
Pandemie mehr oder viel mehr Alkohol getrunken zu haben als zuvor.

Die Erhebung ist nicht repräsentativ, liefert aber erste Erkenntnisse
über die Konsumgewohnheiten während der coronabedingten
Ausgangsbeschränkungen. Die Bundesregierung hatte jüngst in einer
Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion auf die Studie
verwiesen. Das ZI in Mannheim ist eine Stiftung des öffentlichen
Rechts des Landes Baden-Württemberg.

«Risikofaktoren für eine Vermehrung des Konsums waren zum Beispiel
der Wechsel des Arbeitsstatus, etwa ins Homeoffice, ein hohes
gefühltes Stressniveau und Zweifel daran, dass die Krise gut gemanagt
wird», sagte Anne Koopmann vom ZI in Mannheim der Deutschen
Presse-Agentur. Menschen mit einem hohen Stress-Level und geringerem
sozialen Status gaben demnach eher an, in der Krise mehr Alkohol zu
trinken. Menschen in systemrelevanten Berufen, die weiter arbeiten
konnten, tranken den Angaben zufolge dagegen eher weniger oder
steigerten ihren Konsum nicht.

«Die Coronakrise ist für viele Menschen auch eine emotionale Krise:
Sowohl gesundheitsbezogene als auch finanzielle Sorgen und Ängste
sind für viele Menschen sehr präsent. Alkohol ist ein Mechanismus,
eine kurzfristige Linderung dieser Sorgen zu erleben», erklärte
Koopmann. Das könnte auch erklären, warum der Konsum bei Menschen mit
einem niedrigeren sozialen Status ausgeprägter war. «Hier mehren sich
die Sorgen und es gibt weniger Kompensationsmöglichkeiten.»

Koopmann betonte, dass das Mehr-Trinken über einen längeren Zeitraum
das Risiko für eine Abhängigkeit signifikant erhöhe, aber nicht
zwangsläufig dazu führen müsse. Jeder könne sein Trinkverhalten gen
au
beobachten, dokumentieren und sich vielleicht einem Arzt oder einer
Beratungsstelle anvertrauen. Die Politik müsse die Bevölkerung mit
spezifischen Maßnahmen für die Problematik sensibilisieren.