Louvre öffnet wieder: Mona Lisa hinter langen Zick-Zack-Absperrungen Von Sabine Glaubitz, dpa

05.07.2020 08:00

Der Louvre ist das meist besichtigte Museum der Welt. Allein
Leonardos Mona Lisa lockt Millionen Besucher jährlich an. In Zeiten
von Corona muss der Louvre drastisch seine Besucherzahl reduzieren.

Paris (dpa) - Der Saal, in dem die weltberühmte Mona Lisa hängt,
erinnert mit seinen Zick-Zack-Absperrungen an die Check-in-Schlangen
von Flughäfen zur Hochsaison. Orangefarbene Punkte am Boden
signalisieren den Abstand, den die Besucher darin wahren müssen. Die
Sicherheitsvorkehrung gehören zu den zahlreichen Maßnahmen, mit denen
der Louvre in Corona-Zeiten ab Montag (6. Juli) wieder öffnet. Als
das meist besuchte Museum der Welt sei die bevorstehende
Wiedereröffnung eine große Herausforderung, sagte Louvre-Direktor
Jean-Luc Martinez. Im vergangenen Jahr drängelten sich 9,6 Millionen
Menschen durch den riesigen Kunstpalast.

Der Louvre wird nicht mehr als 30 Prozent seiner üblichen
Besucherzahl den Einlass zu seinen Schätzen gewähren können. «Man
wird unter anderem wieder die Säle der französischen Malerei des 19.
Jahrhunderts öffnen, die Abteilungen islamischer Kunst und
italienischer Skulpturen», erklärte der Louvre-Chef. Und natürlich
den Zugang zu seinen Stars: der marmornen Schönheit der Statue der
Venus von Milo und der Mona Lisa von Leonardo da Vinci.

Statt den 30 000 bis 40 000 Menschen täglich, werden nur noch ein
Bruchteil davon das Museum besuchen dürfen. Ob so viele auch kommen
werden, ist vorläufig noch fraglich. Denn das Gros des Publikums
stammt zu 75 Prozent aus dem Ausland. An erster Stelle die
Amerikaner, gefolgt von den Chinesen. Die Europäer nehmen den dritten
Platz ein, gefolgt von den Koreanern und Brasilianern. Nur 2
Millionen kämen aus Frankreich, beendete Martinez seine Aufzählung.
Er hoffe auf 3000 bis 4000 Besucher, im besten Fall 5000 im Sommer,
erklärte er. Bei Covid-Warnungen vor nicht notwendigen touristischen
Reisen, bleibt hinter dem Wunsch tatsächlich ein großes Fragezeichen.

Der Louvre finanziert sich zu über 50 Prozent selbst, vor allem mit
dem Verkauf von Eintrittskarten. Der Rest wird durch öffentliche
Subventionen abgedeckt. Wegen der wochenlangen Schließung beziffert
Martinez den Verlust auf 40 Millionen Euro. Man habe das Glück, dass
der Staat der Hauptmäzen sei, so der Museums-Chef.

Der Louvre öffnet 70 Prozent seiner Ausstellungsfläche und macht
wieder über 35 000 seiner Werke unter den obligatorischen
Corona-Regeln zugänglich - wie dem Tragen eines Nasen- und
Mundschutzes. Die Besichtigung der Säle folgt einem vorgeschriebenen
Parcours, der vermeiden soll, dass sich die Kunstinteressierten
kreuzen.

Weder langes Schlangenstehen vor dem Eingang noch Gedränge in den
Sälen der französischen Malerei des 19. Jahrhunderts und
Massenandrang vor der Mona Lisa: Szenen, die zunächst der
Vergangenheit angehören werden. Ebenso wie Kommentare dieser Art:
«Chaos im Louvre», «unzugänglich» und «völlige Desorganisatio
n», die
im vergangenen Sommer auf der Tripadvisor-Seite des Louvre zu lesen
waren. Wegen Überfüllung musste der Louvre im Juli sogar Besucher
abweisen.

Nach Schätzungen des Louvre kommen rund 90 Prozent der Besucher in
das Pariser Weltmuseum, um das von Leonardo um 1503 gemalte
Frauenbildnis zu sehen. Im Jahr 2018 strömten demnach mehr als 9
Millionen Menschen zur Mona Lisa, der Louvre verzeichnete mit rund
10,2 Millionen ein Rekordjahr. In Corona-Zeiten wird die Besichtigung
des hinter einem riesigen Panzerglas geschützten Gemäldes verstärkt
durch lange Zick-Zack-Barrieren und orangefarbene Abstandspunkte
reguliert. Die beeindruckende Vorrichtung reicht bis zur «Hochzeit zu
Kana» von Paolo Veronese, einem der größten Bilder, die je auf
Leinwand gemalt wurden.

«La Joconde», wie das Frauenbild aus der Hochphase der italienischen
Renaissance auf Französisch heißt, gehört zu den meist besuchten und

zugleich kaum betrachteten Kunstwerken der Welt. Laut Louvre bleiben
die Besucher durchschnittlich 50 Sekunden vor der Frau mit dem
geheimnisvollen Lächeln stehen. In Zeiten von Corona könnte sich das
ändern.