Bund Naturschutz und AWO fordern nach Corona sozial-ökologische Wende

05.07.2020 05:20

Kein «Weiter so!» nach Corona: Als Lehre aus der Krise fordern Bund
Naturschutz und AWO eine sozial-ökologische Wende. Ausbeutung von
Arbeitern und Pflegepersonal sowie Raubbau an der Umwelt - all das
müsse nun aufhören.

Nürnberg (dpa/lby) - Der Bund Naturschutz (BN) und der Sozialverband
Arbeiterwohlfahrt in Bayern haben die Staatsregierung aufgerufen, aus
der Corona-Krise zu lernen und eine sozial-ökologische Wende
einzuleiten. Die Corona-Krise habe zahlreiche soziale
Ungerechtigkeiten offenbart, sagten der AWO-Landesvorsitzende Thomas
Beyer und BN-Landeschef Richard Mergner in einem Gespräch mit der
Deutschen Presse-Agentur.

Sie prangern Misstände an - wie die aus ihrer Sicht unzureichende
Bezahlung systemrelevanter Berufe in der Alten- oder Krankenpflege
und die unwürdige Beschäftigungs- und Lebenssituation von
Mitarbeitern in Schlachthöfen: «Wir müssen von der Ökonomie der Gie
r
und des grenzenlosen Wachstums, des Wettbewerbs und der Gewalt, die
uns in eine existenzielle Krise getrieben hat, zu einer Ökonomie der
Fürsorge und der Gemeinwohl-Orientierung übergehen», sagte Mergner.

Das Konjunkturprogramm der Regierungen in Bund und Land müsse anders
gestaltet werden, sagte AWO-Landeschef Beyer. «Es laufen die alten
Spielchen mit ein bisschen Krisenkosmetik», betonte er und spielte
auf aus seiner Sicht zu große Erleichterungen für die Wirtschaft an.
Die Kurzarbeit schütze vor allem die Arbeitgeber. Währenddessen sei
aber unter anderem der Mieterschutz ausgelaufen - auch für Menschen,
die durch weniger Einkommen in Zahlungsprobleme kämen.

«Für mich wird Corona zu einer Gerechtigkeitskrankheit», betonte er.

Der Bund Naturschutz in Bayer forderte seinerseits eine viel stärkere
Bekämpfung des Klimawandels und anderer Umweltgefahren. In
Deutschland könnten im Jahr 2018 rund 80 000 vorzeitige Todesfälle
auf die Ursache Luftverschmutzung, vor allem aus Dieselruß, Kerosin-
und Kohleverbrennung zurückgeführt werden. 2016 seien allein 4000
Menschen vorzeitig wegen der Emissionen von Kohlekraftwerken
gestorben.

«Wir müssen die Klimakrise und den Schwund natürlicher Ökosysteme
ebenso ernst nehmen wie die Covid-19-Pandemie, denn es gibt
gemeinsame Ursachen und Wechselwirkungen zwischen diesen drei
Krisen», sagte Mergner. Corona zeige in schonungsloser Deutlichkeit
den Zusammenhang ausbeuterischer Strukturen - etwa wenn in
den Massenunterkünften von Schlachthöfen Corona-Hotspots entstehen.

«Die reine Effizienz- und Kostenvermeidungslogik des aktuellen
Systems muss durchbrochen und einer echten Reformierung unterzogen
werden», heißt es in einem gemeinsamen Positionspapier der beiden
Organisationen. Keinesfalls dürfe die aktuelle Krise jedoch dazu
genutzt werden, nötige oder bereits beschlossene Regelungen in der
Umwelt-, Sozial- oder Klimapolitik auszusetzen, zu verschieben oder
generell in Frage zu stellen.