Wieder höhere Rabatte für Neuwagen - Ansatzpunkt Mehrwertsteuer

04.07.2020 13:52

Die Corona-Krise hat den deutschen Automarkt nahezu lahmgelegt. Um
den Absatz zu stimulieren, drehen Hersteller und Händler wieder
stärker an den Rabattschrauben.

Frankfurt/Duisburg (dpa) - Nach dem coronabedingten Markteinbruch
geben die Autohersteller und -händler langsam wieder Gas bei ihren
Aktionen zur Verkaufsförderung. Ansatzpunkt der Werbung werde
insbesondere die Absenkung der Mehrwertsteuer um drei Punkte seit
Anfang Juli, heißt es in der regelmäßigen Rabattstudie des
CAR-Instituts. Die erhöhten staatlichen Förderprämien für
Elektroautos wirkten hingegen auf den Gesamtmarkt kaum belebend,
kritisierte Studienleiter Ferdinand Dudenhöffer.

Hersteller und Händler nutzten die staatliche Vorgabe bei der
Mehrwertsteuer, um eigene Preisnachlässe und Sonderausstattungen zu
bewerben. So hätten bereits Nissan, Renault, Seat, VW und Opel
angekündigt, die Mehrwertsteuer auf Verbrenner ganz «auszusetzen».
Dudenhöffer erwartet zwar, dass diese Aktionen teils mit anderen
Preisnachlässen verrechnet werden. Dennoch dürfte für die Kunden im
Vergleich zu den bisher aufgerufenen Preisen ein «Sahnehäubchen» drin

sein, meint der Auto-Experte.

Bereits im Juni seien bei den meistgefragten Modellen höhere
Preisnachlässe bei Internet-Anbietern sichtbar gewesen, heißt es in
der Studie. Hier spiele der neue Golf 8 eine große Rolle, dessen
Verkauf nach dem holprigen Start mit Software-Problemen mit
vergleichsweise hohen Rabatten oberhalb von 20 Prozent auf den
Listenpreis angeschoben werde. Für den Juli erwartet Dudenhöffer
weiter sinkende Preise bei den Internet-Anbietern.

In der Corona-Pandemie ist der deutsche Neuwagenmarkt massiv
eingebrochen, die Neuzulassungen lagen im ersten Halbjahr mit 1,2
Millionen knapp 35 Prozent unter dem Vergleichswert aus dem Vorjahr.
Händler und Hersteller hatten in den Zeiten des Shutdowns nur wenige
Kaufanreize gesetzt.

Deutlich zugelegt haben lediglich Autos mit elektrischen Batterie-
oder Hybridantrieben, für die es auch höhere staatliche Förderprämi
en
gibt. Dieser Trend gehe aber wesentlich am Privatkundenmarkt vorbei,
kritisierte Dudenhöffer, der zusätzliche Kaufanreize auch für
Verbrenner befürwortet hatte.

In den ersten fünf Monaten des Jahres seien gerade mal 21 000
Elektroautos und Plug-in-Hybride auf Privatkunden neu zugelassen
worden, ein Anteil von 5,9 Prozent. «Das ist Nische und geht am Markt
vorbei», erklärte der Experte. Sein Urteil: «Der aktuelle Aufschwung

des chinesischen Automarkts hilft den Arbeitern in den deutschen
Autowerken weit mehr als das Konjunkturpaket der deutschen
Bundesregierung.»