Neues Bestrahlungsgerät für kleinste Tumore in Dresdner Zentrum

03.07.2020 17:19

Dresden ist einer der führenden Standorte der Krebsforschung in
Deutschland. Mit einer Großinvestition soll der Platz in der Spitze
weiter ausgebaut werden. Das Zauberwort heißt Magnetresonanz-
Linearbeschleuniger.

Dresden (dpa/sn) - Das Nationale Zentrum für Strahlenforschung in der
Onkologie Dresden bekommt eine neue Waffe im Kampf gegen Krebs. Am
Freitag übergab Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU)
einen Fördermittelbescheid über neun Millionen Euro für den Erwerb
eines sogenannten MR-Linearbeschleunigers. Er besteht aus einem
Magnetresonanztomographen und einem Linearbeschleuniger, der
Photonenstrahlung liefert. Damit könnten kleinste Tumore in schwer
zugänglichen Körperregionen identifiziert und sicher bestrahlt
werden, sagte Esther Troost, Chefin der Klinik und Poliklinik für
Strahlentherapie und Radioonkologie am Dresdner Uniklinikum. Durch
das Gerät sollen gesundes Gewebe geschont, höhere Bestrahlungsdosen
ermöglicht und Behandlungszeit verkürzt werden.

«Es ist der Start für eine neue Generation der Krebstherapie», sagte

Gemkow. Dresden sei nach Tübingen, Heidelberg und München der vierte
Standort in Deutschland, an dem das neue Therapieverfahren möglich
sein wird. Damit könne Sachsen auch künftig eine Spitzenposition in
diesem Bereich einnehmen. Die Finanzierung eines solchen Gerätes sei
in Zeiten von Corona keine Selbstverständlichkeit. Bis zuletzt sei
nicht klar gewesen, ob die erforderlichen Gelder zur Verfügung
stehen. Gemkow erinnerte an die zur Bewältigung der Krisenfolgen
beschlossene Neuverschuldung des Landes von bis zu sechs Milliarden
Euro. Der MR-Linearbeschleuniger wird mit Landesmitteln und Geldern
aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung bezahlt.

Aktuell werden zur Einstellung eines Patienten vor der Bestrahlung
Röntgenkontrollaufnahmen oder eine Computertomographie verwendet,
hieß es. Diese könnten aber Weichgewebstumore und damit 60 bis 70
Prozent aller zu bestrahlender Tumore nicht oder nur indirekt
darstellen. Mit den Photonen - energiereichen elektromagnetischen
Wellen - wird das Erbgut von Krebszellen beschädigt. Die Zellen
sterben dadurch ab und können sich nicht weiter vermehren. Nach
Angaben von Professorin Troost kommt die Hälfte der Patienten im
Laufe einer Krebserkrankung mit Strahlentherapie in Berührung. Mit
dem bisherigen Verfahren dauere die Bestrahlung etwa sechs bis sieben
Wochen. Dies könnte sich unter Umständen nun verkürzen.

Der MR-Linearbeschleuniger soll im Gebäude des benachbarten
Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) seinen Platz finden.