Portugiesischer Staat springt bei Krisen-Airline TAP ein

03.07.2020 12:57

Lissabon (dpa) - Ähnlich wie der Bund bei der Lufthansa springt auch
der portugiesische Staat als Retter bei der nationalen Fluglinie TAP
Air Portugal ein. Er übernehme die Aktienmehrheit bei der wegen der
Corona-Pandemie schwer angeschlagene Fluggesellschaft, sagte
Finanzminister João Leão am späten Donnerstagabend in Lissabon. Nun
solle so schnell wie möglich ein privates Unternehmen beauftragt
werden, ein neues Management für das Traditionsunternehmen zu
rekrutieren, sagte Infrastrukturminister Pedro Nuno Santos bei einer
Pressekonferenz. Bisher stehe nur fest, dass der Vorstandsvorsitzende
Antonoaldo Neves ausscheiden werde, schrieb die Zeitung «Espresso»
unter Berufung auf Santos. Bereits im Juni hatte die Regierung
Staatshilfen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro für TAP angekündigt.

Mit dem privaten Konzern Atlantic Gateway sei nun die Übernahme von
22,5 Prozent der Aktien durch den Staat gegen Zahlung von 55
Millionen Euro vereinbart worden. Der Staatsanteil steigt damit auf
72,5 Prozent, der Anteil von Atlantic Gateway reduziert sich um die
Hälfte von bisher 45 auf künftig 22,5 Prozent. «Dies ist eine
wichtige Vereinbarung und eine gute Lösung für TAP», zitierte die
Zeitung «Publico» Minister Santos. Fünf Prozent der Aktien werden von

Mitarbeitern gehalten.

Die linke Regierung hatte zuvor mit einer Zwangsverstaatlichung der
Fluggesellschaft gedroht, falls keine Einigung mit den privaten
Investoren zustande kommen sollte. Auch eine Insolvenz war in
Erwägung gezogen worden. Santos hatte aber kürzlich klargestellt:
«TAP ist für Portugal zu wichtig, als dass das Land sich den Luxus
leisten könnte, das Unternehmen zu verlieren.» Immerhin kämen 60
Prozent der Touristen mit der nationalen Airline ins Land.

Santos kritisierte, die 1945 gegründete TAP sei schon vor der
Corona-Pandemie ins Straucheln geraten, weil sie von Atlantic Gateway
schlecht geführt worden sei. 2019 beförderte TAP nach eigenen Angaben
gut 17 Millionen Passagiere, so viele wie nie zuvor. Dennoch wurde
bei einem Umsatz von rund 3,3 Milliarden Euro einen Nettoverlust von
knapp 96 Millionen Euro erwirtschaftet. Dann kam die Corona-Krise mit
der fast vollständigen Einstellung des Flugbetriebs. Rund 90 Prozent
der gut 14 000 Mitarbeiter sind derzeit im Zwangsurlaub.