Solidarisch auch in der Krise - Kein Spendeneinbruch in Corona-Zeiten Von Magdalena Tröndle, dpa

02.07.2020 06:30

Zu Beginn der Corona-Pandemie hatten viele Hilfsorganisationen mit
massiven Spendeneinbrüchen gerechnet. Doch die Deutschen zeigen sich
solidarisch. Fragt sich nur: Wie lange noch?

Berlin (dpa) - Die Coronakrise trifft viele Deutsche auch
wirtschaftlich schwer. Spenden an Hilfsorganisationen könnten da
schon mal knapper ausfallen als sonst. Doch aktuelle Zahlen
zeigen: Das Gegenteil ist der Fall. Die Spendenbereitschaft hat nicht
nachgelassen, in den Monaten Februar bis Mai 2020 spendeten die
Bundesbürger sogar mehr Geld an gemeinnützige Organisationen als im
Vorjahreszeitraum, wie aus Zahlen des Marktforschungsinstituts GfK
hervorgeht.

«Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheiten, die die Coronakrise
für viele Menschen mit sich bringt, hätte man durchaus erwarten
können, dass es einen Spendeneinbruch gibt», sagt Max Mälzer,
Geschäftsführer des Deutschen Spendenrats. Zu Beginn der Krise hätte

so manche Hilfsorganisation mit einem Spendenrückgang von bis zu 90
Prozent gerechnet.

Den Angaben zufolge stieg das Gesamtspendenvolumen in Deutschland im
Februar gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2019 um 6 Prozent, im
März um 13 Prozent, im April um 5 Prozent und im Mai um 7 Prozent.
Insgesamt kamen im Jahr 2020 bislang rund 31 Millionen Euro mehr
zusammen als im Vorjahreszeitraum.

«Wenn man bedenkt, dass die vielen kleinen finanziellen
Unterstützungsleistungen von Privatleuten an lokale gewerbliche
Anbieter - etwa den Buchhändler oder das Lieblingsrestaurant um die
Ecke - in der Erhebung nicht berücksichtigt werden, ist diese erste
Bilanz umso erstaunlicher», erklärt Mälzer. Gutscheinkäufe etwa
zählten nicht als Spende, weil sie einen Leistungsanspruch
enthielten.

«Man hätte erwarten können, dass das Geld, was jetzt in diesen
gewerblichen Zweig fließt, dem klassischen Spendenbereich fehlt»,
sagt Mälzer. Dies sei aber offenbar nicht der Fall. Er geht deshalb
davon aus, dass die Spenden kumulativ, also zusätzlich, ausgegeben
wurden. Der gesamte Spendenkuchen sei gewachsen.

Die GfK wird vom Deutschen Spendenrat e.V. damit beauftragt,
kontinuierlich das Spendenaufkommen in Deutschland zu erfassen. In
den vergangenen Jahren kamen den Angaben zufolge mit leichten
Abweichungen rund 5,3 Milliarden Euro pro Jahr zusammen.

Auf der Spenden-Plattform Betterplace.org sind im Zusammenhang mit
der Corona-Pandemie seit dem Beginn der Krise rund 900 neue Projekte
registriert und 10 Millionen Euro an Spenden gesammelt worden. «Im
Vergleich zum Vorjahr gab es Steigerungsraten von teilweise über 100
Prozent, sowohl was die Registrierungen als auch das Spendenvolumen
anging», sagt Betterplace-Geschäftsführer Björn Lampe.

«Wir hatten am Anfang die Sorge, dass «klassische
Entwicklungshilfeprojekte» im Ausland plötzlich deutlich weniger
Unterstützung bekommen würden», sagt er. Tatsächlich habe es gerade

zu Beginn der Krise einen starken Fokus auf lokale Projekte gegeben.
Dies habe sich aber bereits innerhalb eines Monats wieder
normalisiert.

Mälzer betont, dass in der Krise nicht alle Organisationen in
gleichem Maße von der Spendenbereitschaft der Deutschen profitierten.
«Das Bild ist sehr uneinheitlich.» Es habe Privatleute und auch
Unternehmen gegeben, die sich aufgrund ihrer wirtschaftlichen
Situation aus dem Spendengeschäft zurückzogen.

Trotzdem sei es überraschend, wie engagiert viele Private und
Unternehmen seien, obwohl sie teilweise selbst heftig unter der Krise
zu leiden hätten. Das Bündnis «Aktion Deutschland Hilft» bedankte
sich jüngst für die Hilfen aus der Wirtschaft für ihre
Corona-Nothilfe.

Wie sich Deutschlands Spendenbereitschaft im weiteren Jahresverlauf
entwickeln wird, ist nach Einschätzung der Experten allerdings völlig
offen. Kurzarbeit, betriebsbedingte Kündigungen und Arbeitslosigkeit
werden vielen Spenderinnen und Spendern weiter zusetzen.

«Vielleicht haben viele Menschen ihr «Spendenbudget» in der Krise
bereits verbraucht», sagt Lampe. Es bleibe daher abzuwarten, wie sich
das Spendenvolumen im zweiten Halbjahr entwickelt. Das zeige sich
dann insbesondere um Weihnachten herum, wenn es traditionell eine
große Spendenbereitschaft gibt.