«Der perfekte Mord» - Angeklagter im Fall Maria Baumer schweigt Von Ute Wessels, dpa

01.07.2020 15:28

Wird der Fall Maria Baumer acht Jahre nach dem gewaltsamen Tod der
Frau aufgeklärt? In Regensburg steht ihr Verlobter vor Gericht. Er
soll die Frau mit Medikamenten getötet haben. Verdächtig gemacht hat
er sich unter anderem mit seinen Recherchen im Internet.

Regensburg (dpa) - Nach «der perfekte Mord» und «Lorazepam letale
Dosis» soll der Krankenpfleger aus der Oberpfalz im Mai 2012 im
Internet gegoogelt haben - kurz bevor seine Verlobte verschwand. Acht
Jahre später muss sich der Mann vor dem Landgericht Regensburg wegen
Mordes verantworten. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass
er seine Verlobte Maria Baumer mit Medikamenten tötete, um für eine
neue Beziehung frei zu sein. Zum Prozessauftakt am Mittwoch schwieg
der 35-Jährige auf Anraten seines Verteidigers. Anwalt Michael
Haizmann sagte nach der Verhandlung, er wolle einen Freispruch
erwirken.

Schwarzes Sakko, weinrotes Hemd und die dunklen Haare zum
Pferdeschwanz gebunden - so trat der Angeklagte vor Gericht auf. Mit
fester Stimme nannte er seine Personalien, mehr sagte er nicht. Zu
seiner Rechten saßen die Eltern und Geschwister des Opfers, die als
Nebenkläger an dem Prozess teilnehmen. Der Fall Maria Baumer
beschäftigt die Menschen in der Region seit acht Jahren, entsprechend
groß war der Medienandrang im Verhandlungssaal.

Aus Sicht der Ankläger fasste der 35-jährige Krankenpfleger im
Frühjahr 2012 den Plan, seine Lebensgefährtin zu töten - wohl weil er

sich in eine seiner Patientinnen verliebt hatte und die Verlobung mit
Baumer nicht offiziell habe lösen wollen. Über mehrere Tage hinweg
recherchierte er demnach im Internet zu Tötungsmethoden, unter
anderem suchte er nach «Lorazepam letale Dosis», «tödliche Dosis
Insulin» und «der perfekte Mord». Zudem kaufte er einen Spaten.

In der Nacht zum 26. Mai 2012 soll er seiner 26-jährigen Verlobten
erhebliche Mengen der Medikamente Lorazepam und Tramadol verabreicht
haben - vermutlich in einem Getränk aufgelöst. Das Beruhigungsmittel
Lorazepam soll die Frau bewusstlos gemacht und das Opioid Tramadol
einen Atemstillstand hervorgerufen haben.

Die tote - oder zumindest bewusstlose - Frau brachte der Angeklagte
den Ermittlungen zufolge in einen Wald, wo er den Körper mit
chemischen Mitteln bestreute, so dass sich Gewebeteile verseiften und
verflüssigten. Dadurch habe er eine Identifizierung der Leiche sowie
die Ermittlung der Todesursache verhindern wollen.

Der Mann meldete seine Verlobte als vermisst. Mit dem plötzlichen
Verschwinden der Frau habe der Mann den Abbruch seines
Medizinstudiums vor seinem Umfeld gerechtfertigt. So habe er nicht
zugeben müssen, dass er seine Angehörigen über seine
Studienfortschritte seit geraumer Zeit belogen hatte. Laut
Staatsanwaltschaft handelte der Mann bei der Tat heimtückisch und aus
niederen Beweggründen.

Pilzsammler fanden im Spätsommer 2013 die Leiche Baumers. Daraufhin
geriet der Verlobte bereits ins Visier der Ermittler, kam aber
zunächst frei. Ende 2019 wurde er erneut festgenommen. Neue
technische Möglichkeiten hatten den Verdacht wieder gegen ihn
gerichtet. So konnten an Kleidung und Haaren der Frau Medikamente
nachgewiesen werden.

Der Prozess ist zunächst bis Anfang Oktober terminiert. Es sollen den
Angaben zufolge 65 Zeugen und 18 Sachverständige gehört werden.