US-Regierung kauft große Teile der Remdesivir-Produktion auf

01.07.2020 12:51

Washington (dpa) - Die US-Regierung hat sich einen Großteil der bis
September anvisierten Produktionsmenge des Corona-Mittels Remdesivir
gesichert. Ein entsprechende Vereinbarung mit dem Biotech-Unternehmen
Gilead Sciences sieht laut US-Gesundheitsministerium den Erwerb von
Wirkstoff-Dosen für mehr als 500 000 Behandlungen vor. Das entspreche
100 Prozent der geplanten Produktionsmenge für Juli sowie jeweils 90
Prozent für August und September. Remdesivir gilt als eines der
aussichtsreichsten Medikamente bei schweren Corona-Symptomen. Es kann
Studien zufolge den Krankenhausaufenthalt bei Covid-19 verkürzen.

Zu der Frage, ob durch die Vereinbarung die Versorgung mit dem
Wirkstoff in Europa gefährdet sei, wollte sich ein Gilead-Sprecher
auf Anfrage am Mittwoch nicht äußern. Pharma-Experte Andrew Hill von
der britischen Universität Liverpool sagte laut «Guardian»: «Sie (d
ie
USA) haben Zugriff auf einen Großteil des Medikaments, also bleibt
nichts für Europa.»

Gilead vereinbarte nach eigenen Angaben mit der US-Regierung, dass
nicht zugeteilte Teile der Produktion «für andere Verwendungszwecke,

auch für Länder außerhalb der Vereinigten Staaten, bereitgestellt
werden können». Dazu werde man die Bedarfsmeldungen der Krankenhäuser

engmaschig beobachten und alle zwei Wochen evaluieren, hieß es
weiter.

Gerade erst hatte Gilead den Preis für den US-Markt festgesetzt. Eine
fünftägige Behandlung mit Remdesivir werde bei Bestellung durch die
US-Regierung 2340 Dollar (etwa 2000 Euro) pro Patient kosten. Dieser
Nettobetrag sei auch für Deutschland geplant, hatte der Sprecher von
Gilead in Deutschland, Martin Flörkemeier, am Dienstag gesagt.

Erst vergangene Woche hatte die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA
eine Zulassung für das Mittel mit dem Handelsnamen Veklury unter
Auflagen in Europa empfohlen. Eine Entscheidung durch die
EU-Kommission wird noch diese Woche erwartet.

Remdesivir wurde ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt,
zeigte aber eine zu geringe Wirkung. Es ist bislang in keinem Land
der Welt uneingeschränkt als Medikament zugelassen.