Corona-Fälle bei Caterer in Oberbayern: Weitere Tests in Unterkunft

01.07.2020 14:12

Gut fünf Monate nach den bundesweit ersten Corona-Fällen im Landkreis
Starnberg beschäftigt ein neuer Ausbruch die dortigen Behörden.
Dieses Mal ist der Standort eines Cateringunternehmens betroffen.

Starnberg (dpa/lby) - Nach dem Corona-Ausbruch bei einem
Cateringunternehmen im Landkreis Starnberg arbeiten die Behörden mit
Hochdruck daran, eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern.
Dazu sollten am Mittwoch unter anderem sämtliche Bewohner einer
Flüchtlingsunterkunft in Pöcking auf das Virus getestet werden,
nachdem es dort einen positiven Fall gegeben hatte.

Nach Angaben des Landratsamtes wird auch eine Gemeinschaftsunterkunft
im Herrschinger Ortsteil Breitbrunn durchgetestet. Die Bewohner
hätten sehr engen Kontakt mit Bewohnern einer weiteren Herrschinger
Unterkunft gehabt, wo bereits getestet wurde und ein positiver Fall
aufgefallen war.

Eine ganze Reihe der insgesamt rund 120 Mitarbeiter des Caterers
Apetito im oberbayerischen Gilching waren einer Sprecherin des
Landratsamtes zufolge in Flüchtlingsunterkünften untergebracht. Sie
seien vorsorglich nach München in eine Isoliereinrichtung gebracht
worden, um dort getestet zu werden. Bis Dienstagabend ergaben die
Reihentestungen 45 positive Fälle.

Landrat Stefan Frey (CSU) schloss dennoch einen Lockdown in der
Region zunächst aus. «Davon sind wir derzeit weit entfernt.» Der
Lockdown setze voraus, dass es ein unspezifisches Ausbruchsgeschehen
gebe. «Das ist bei uns derzeit nicht der Fall.» Die Infektionsketten
seien nachvollziehbar und auf konkrete Gemeinschaftseinrichtungen -
Asylunterkünfte und ein Unternehmen - begrenzt.

Das Unternehmen Apetito untersucht ebenfalls die Ursache des
Ausbruchs. Das Verteilerzentrum in Gilching diente ausschließlich der
Belieferung des LMU-Klinikums Großhadern und des Innenstadt-Campus.
Über einen alternativen Plan werde die Versorgung der Patienten und
Mitarbeiter sichergestellt, so das Unternehmen. Eine Verbreitung des
Virus über die Mahlzeiten halten Unternehmen, Behörden und LMU
Klinikum für so gut wie ausgeschlossen.

«Die bei dem Speisenlieferanten geltenden Hygienevorschriften bei der
Portionierung der Speisen machen es extrem unwahrscheinlich, dass es
zu einer Kontamination der Speisen mit Viren gekommen ist», teilte
eine Sprecherin des Klinikums mit. «Selbst wenn dem so wäre, ist es
wiederum sehr unwahrscheinlich, dass es dadurch zu einer Infektion
von Patienten oder Mitarbeitern gekommen sein könnte.»

Auch eine Übertragung bei der Lieferung sei höchst unwahrscheinlich,
da diese kontaktlos organisiert ist. «Grundsätzlich sind wir am
Klinikum immer in höchster Aufmerksamkeit und werden wie bisher jedem
Verdachtsfall einer Infektion bei Patienten oder Mitarbeitern
umgehend nachgehen.»

Der erste Corona-Fall war in einer Unterkunft in Hechendorf
aufgefallen. Neben dieser wurden auch die Wohnstätten in Pöcking,
Herrsching und Seefeld für 14 Tage unter Quarantäne gestellt; in
jeder hatte es mindestens einen Infizierten gegeben.

Beim Landratsamt meldeten sich auch Ehrenamtliche der Helferkreise.
Wer zu einen der Infizierten Kontakt gehabt habe oder grundsätzlich
besorgt sei, könne ebenfalls getestet werden, sagte die Sprecherin.
Jedoch gebe es keinen Anlass zu Befürchtungen. «Alle sind immer sehr
vorsichtig vorgegangen.»

Im Landkreis Starnberg waren im Februar die bundesweit ersten
Corona-Fälle aufgetreten. Eine chinesische Mitarbeiterin hatte das
Virus beim Autozulieferer Webasto eingeschleppt. Die Infektionsketten
konnten damals erfolgreich unterbrochen werden - der Betrieb blieb
für zwei Wochen geschlossen, alle Kontaktpersonen mussten in
Quarantäne.

Die Apetito Unternehmensgruppe, zu der auch der von einem
Corona-Ausbruch betroffene Standort im Landkreis Starnberg gehört,
liefert jeden Tag Essen für rund 1,3 Millionen Menschen in acht
Ländern. Unter anderem gehören Schulen, Kitas, Krankenhäuser,
Senioreneinrichtungen und Unternehmen zu den Kunden des Unternehmens
aus Rheine in Nordrhein-Westfalen. Auch Essen auf Rädern hat Apetito
im Programm. Hinzu kommt noch Tiefkühlkost für den Handel.