Semperoper stellt Corona-Spielplan vor - Oper als «Essenz»

30.06.2020 14:24

Dresden (dpa) - Die Semperoper Dresden will dem Publikum trotz der
Corona-Einschränkungen so viel Musiktheater wie möglich bieten.
Intendant Peter Theiler stellte am Dienstag den Spielplan für die
Monate September und Oktober vor. Er sieht unter dem Motto «Semper
Essenz» gekürzte Fassungen von Opern vor, die entweder konzertant und
mit reduziertem Personal aufgeführt werden oder bei denen szenische
Elemente wie Licht oder Videotechnik zum Einsatz kommen. Es gehe
darum, szenische Fantasie beim Publikum freizusetzen, sagte Theiler.
Vielleicht ließen sich so neue Formen erfinden, die szenisches Spiel
ersetzen.

Die Corona-Vorgaben engen die Möglichkeiten stark ein. Nur 330
Zuschauer dürfen in den Saal. Die Aufführungsdauer darf 90 Minuten
nicht überschreiten, die Sänger müssen einen Mindestabstand von sechs

Metern einhalten. Vor dem Orchestergraben gibt es eine
Demarkationslinie, damit Gesangssolisten auf Distanz bleiben. Die
Kostüme der Akteure müssen bei 60 Grad waschbar sein. Der Chor darf
in voller Stärke nicht auf die Bühne und wird bei Bedarf in kleinerer
Besetzung von der Probebühne aus zugeschaltet. Auch das Ballett der
Semperoper kann nicht wie gewohnt agieren. Schon beim Training an der
Stange gilt die Sechs-Meter-Regel. Bei Gala-Abenden sind Tänzerinnen
und Tänzer vor allem als Solisten gefragt.

Die Puccini-Opern «Madama Butterfly» und «Tosca» sowie «Eugen One
gin»
von Tschaikowski werden konzertant - beispielsweise ohne Bühnenbild
oder ohne Kostüme - aufgeführt. Insgesamt sind im Corona-Spielplan 45
Aufführungen geplant. Ab November hofft Theiler auf einen
Normalbetrieb. Andernfalls soll es so weitergehen wie im September
und Oktober. Der Intendant ging davon aus, dass die Semperoper als
einziges der großen Theaterhäuser in Deutschland derart in die
Offensive geht. Gar nicht zu spielen, sei keine Alternative. Einige
der jetzt ausgefallenen Premieren sollen später nachgeholt werden.

Die Semperoper hatte am 19. Juni den Betrieb nach dreimonatiger
Corona-Pause wieder aufgenommen. Anna Netrebko gab in einer
konzertanten und gekürzten Fassung von Verdis «Don Carlo» ihr
Rollendebüt als Elisabetta.