VCI: Norddeutsche Häfen sollen Zentren für Wasserstoff-Import werden

29.06.2020 16:42

Laatzen (dpa) - Die norddeutsche Chemieindustrie dringt auf einen
schnellen Ausbau der Hafeninfrastruktur zur Einfuhr von Wasserstoff.
«Aufgrund der riesengroßen Bedarfe an grünem Wasserstoff brauchen wir

neben der forcierten Weiterentwicklung unseres Heimatmarktes dringend
deutsche Importterminals», sagte der Landesvorsitzende des Verbands
der Chemischen Industrie (VCI), Detlev Wösten, am Montag in Laatzen
bei Hannover. Die norddeutschen Häfen seien dafür wegen ihrer
Erfahrung bei der Entladung von Gasen und vorhandener Pipelines
ideale Standorte. Sowohl im niederländischen Rotterdam als auch im
belgischen Antwerpen seien entsprechende Projekte schon angeschoben
worden, der Handlungsdruck sei daher enorm, sagte Wösten.

Die Bundesregierung hatte sich vor knapp drei Wochen auf eine
nationale Wasserstoffstrategie verständigt. Diese sieht zusätzlich zu
laufenden Förderprogrammen sieben Milliarden Euro dafür vor, dass
sich die Technologie am Markt durchsetzt, und weitere zwei Milliarden
Euro für internationale Partnerschaften. Bis 2030 sollen Anlagen zur
Produktion von bis zu 14 Terawattstunden grünen Wasserstoffs aus
erneuerbaren Energien in Deutschland entstehen. Der nationale Bedarf
wird allerdings auf 90 bis 110 Terawattstunden geschätzt.

Das bedeutet: Stellt die Industrie auf Wasserstoff um, um
klimafreundlicher zu produzieren als bisher, wird sie einen großen
Teil aus dem Ausland importieren müssen - selbst wenn der Ausbau etwa
der Windkraft hierzulande wieder an Fahrt gewinnen sollte. Stahlwerke
und Raffinerien auch in Norddeutschland bräuchten Wasserstoff «in
Riesenmengen, nicht in Apothekenmengen», betonte der Geschäftsführer

des VCI Nord, Jochen Wilkens.

In Niedersachsen gab es nach der Veröffentlichung der nationalen
Wasserstoffstrategie geradezu euphorische Reaktionen. Die Vision: In
Industrie und Verkehr soll grüner Wasserstoff die bisherigen
Energieträger Kohle, Öl und Erdgas verdrängen - und so die CO2-Bilanz

Deutschlands aufhübschen.