Gar nicht lustig: Karnevalsvereine gehen auf ungewisse Session zu

27.06.2020 07:00

Die Narrenkappen hängen in der Ecke, die Kostüme eingemottet im
Schrank: Karnevalisten blicken in Corona-Zeiten in eine ungewisse
Zukunft. Was wird ab dem 11.11. möglich sein? Die Lage sollte kreativ
machen, meint MV-Karnevalspräsident Lutz Scherling.

Schwerin (dpa/mv) - Die Tanzgruppen der Karnevalsvereine dürfen seit
Mitte Juni wieder trainieren, doch das Sommercamp der Karnevalsjugend
mit seinen Kursen vom Büttenreden übers Tanzen bis zum Schminken ist
abgesagt. Dorffeste und andere Veranstaltungen, die den
Faschingsclubs bei der Finanzierung helfen, dürfen nicht stattfinden.
Angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie ist unklar, ob sie in der
kommenden Session in Mecklenburg-Vorpommern überhaupt in vollen Sälen
vor schunkelndem Publikum auftreten können. Trotzdem versucht der
Präsident des Karneval-Landesverbandes, Lutz Scherling, Optimismus zu
verbreiten.

«Der 11.11. kommt so sicher wie Weihnachten und Ostern, und Karneval
wird stattfinden», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Wie er
stattfindet und wie die Vereine das begehen können, steht auf einem
anderem Blatt Papier. Wir werden von Fall zu Fall und nach den
Vorgaben der Behörden entscheiden müssen.»

Die zentrale Eröffnung der Session 2020/2021, die auf dem Marktplatz
in Grevesmühlen (Nordwestmecklenburg) geplant ist, müsste nach der
geltenden Rechtslage möglich sein. «Derzeit dürfen bis zu 500
Menschen im Freien zusammenkommen, aber so viele werden es gar nicht
sein.» Scherling rechnet mit bis zu 350 Teilnehmern bei der
traditionellen Eröffnung der Faschingssaison im Nordosten.

Offen sei, ob und unter welchen Bedingungen die Vereine ihre
Saalveranstaltungen im November durchführen können, bei denen das
Motto der jeweiligen Session bekanntgegeben und oft auch das
Prinzenpaar präsentiert wird. In Suckow (Landkreis
Ludwigslust-Parchim) soll das Landesprinzenpaar gekrönt werden. «Mal
sehen, was da geht.» Scherling hofft, dass es im Herbst wieder
losgehen kann, nachdem zum Beispiel die Festveranstaltung zum
30-jährigen Bestehen des Landesverbandes im August wegen Corona
abgesagt werden musste.

Scherling sieht in der Covid-19-Krise für den Karneval aber auch eine
Chance, neue Kreativität zu entfalten. «Die Situation ist nicht nur
schlecht und problematisch», sagte er. Natürlich sei Karneval ohne
Tanzen, Schunkeln und Küsschen auf die Wange schwer vorstellbar.
Trotzdem als Karnevalist sein Herz sprechen zu lassen, sei die
Herausforderung in der kommenden Session, meinte Scherling. Mancher
Verein verfüge zum Beispiel über die Technik, Veranstaltungen im
Internet zu streamen. «Über so etwas wird man sich im Zweifel
Gedanken machen.»