Brandenburgs Sozialverbände schränken Angebot wegen Corona ein Von Christian Bark, dpa

27.06.2020 06:00

Geschlossene Sozialkaufhäuser, weniger Kleidercontainer: Die
Corona-Krise hat die Arbeit der Sozialverbände in Brandenburg
deutlich erschwert. Mit zunehmenden Lockerungen gibt es nun einige
Angebote wieder, allerdings unter besonderen Bedingungen.

Potsdam (dpa/bb) - Die Corona-Krise hat zahlreiche Angebote im
sozialen Bereich in Brandenburg wegbrechen lassen. Nach und nach
greifen aber auch hier die Lockerungen und Einrichtungen öffnen
wieder, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. «Während
der Pandemie und den damit einhergehenden Eindämmungsverordnungen
standen unsere Kreisverbände und die Einrichtungen vor großen
Herausforderungen», sagt die Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes
(DRK) in Brandenburg, Marie-Christin Lux. Angebote wie etwa
Kleiderkammern mussten vorübergehend schließen, in
Pflegeeinrichtungen galten Besuchsverbote.

«Wo immer es möglich war, haben wir unsere Angebote jedoch
weitergeführt oder der aktuellen Lage angepasst», sagt die
Sprecherin. So wurden Beratungen online oder per Telefon angeboten.
«In einigen Pflegeeinrichtungen haben wir es unseren Bewohnern
ermöglicht, per Videotelefonie mit ihren Angehörigen zu sprechen»,
berichtet Lux. Auch die Brandenburger Tafel und die DRK-Suppenküche
in Calau (Oberspreewald-Lausitz) hielten ihr Angebot weiter aufrecht.
Bis Ende Mai mussten Erste-Hilfe-Kurse ausgesetzt werden. Seit Juni
laufen diese mit einer wesentlich geringeren Teilnehmerzahl wegen der
Abstandsregeln wieder an.

Eine Art Telefonseelsorge gab es auch bei der Kontakt- und
Beratungsstelle (KBS) der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Wittstock
(Ostprignitz-Ruppin). Die Einrichtung bietet Menschen mit psychischen
Erkrankungen einen Ort des Austausches und Beratung sowie kulturelle
Veranstaltungen. «Das ist gut angenommen worden», sagt KBS-Betreuerin
Katrin Ulmer. Zwar werde die Einrichtung wohl erst Anfang Juli wieder
öffnen, die Besucher hätten aber schon vorher Wege gefunden, sich zu
sehen. «Mitglieder einer Selbsthilfegruppe sind dabei gemeinsam durch
die Stadt spaziert und haben sich ausgetauscht - immer mit Abstand
natürlich», berichtet sie.

Rund fünf Wochen war das Sozialkaufhaus des Arbeiter-Samariter-Bundes
(ASB) in Rathenow (Havelland) geschlossen. «Beim ASB Nauen ist
während der Corona-Krise die Nachfrage im Bereich Hauskrankenpflege
zurückgegangen, da viele Angehörige durch Homeoffice oder
Arbeitslosigkeit selbst Pflege- und Betreuungsaufgaben übernommen
haben», sagt ASB-Sprecherin Cindy Schönknecht. Die Kleiderkammer des
ASB Uckermark sei ebenfalls mehrere Wochen geschlossen gewesen.

Solange es beim ASB Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) keine oder kaum
Schutzausrüstung gegeben hatte, sei die Arbeit im ambulanten
Pflegedienst überaus schwierig gewesen. «Einige Service-Angebote
mussten vorübergehend abgesagt werden, sehr zum Leid der Menschen,
die bis dahin selbstverständlich versorgt wurden», sagt die
ASB-Sprecherin. 

Die Ausfälle im Bildungsbereich des DRK haben Sprecherin Lux zufolge
nicht nur die Kunden, sondern auch Aus- und Fortbildungen der
ehrenamtlichen Helfer in den Bereitschaften und der Wasserwacht
betroffen. «Auch diese laufen seit Beginn des Monats wieder», so die
Sprecherin. Allerdings sei es eine Herausforderung, die Vermittlung
der Inhalte so anzupassen, dass Abstandsregeln eingehalten werden.

Zudem hat die bisherige Krise den Sozialverbänden finanzielle
Einbußen gebracht. «Durch den Wegfall von Großveranstaltungen leisten

unsere Helfer dort auch keine Sanitätswachdienste mehr», sagt Lux.
Dadurch seien allein beim DRK in Brandenburg Einnahmen in Höhe von
gut einer halben Million Euro entfallen. «Diese Mittel fehlen nun für
die Beschaffung und Pflege von Ausrüstung und Einsatzkleidung sowie
für die Bildung», sagt die Sprecherin.

Erfreulich sei, dass die Menschen wegen der Krise Zeit hatten,
Kleidung aus ihren Schränken zu sortieren. «Die Lagerkapazitäten
unserer Kreisverbände sind deshalb aber in den vergangenen Wochen an
ihre Grenzen gestoßen», sagt Lux. Einige Verbände mussten die
Sammlung von Kleiderspenden über Altkleidercontainer vorläufig
einstellen.