Corona-Infizierte: Positives rund um Warendorf - warten in Gütersloh 

26.06.2020 17:13

Gütersloh, Warendorf und Moers vermelden Corona-Infizierte in der
Fleischindustrie. Die Regionen sind aber nicht vergleichbar. Für
Teile des Münsterlandes gibt es wohl bereits eine vorsichtige
Entwarnung.

Gütersloh/Warendorf (dpa/lnw) - Lichtblicke für die Menschen rund um
Gütersloh und Warendorf: Die von dem Corona-Ausbruch in Deutschlands
größtem Fleischbetrieb Tönnies am heftigsten getroffenen Kreise
vermelden positive Tendenzen. Im Kreis Warendorf gehen die Behörden
sogar davon aus, dass unter den positiv getesteten Menschen
ausschließlich Tönnies-Mitarbeiter sind. Dort ist die wichtige
Kennziffer der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb der
vergangenen sieben Tage unter die entscheidende Marke von 50
gefallen. Bayern hob daraufhin ein Übernachtungsverbot für Menschen
aus dem Kreis wieder auf.

Viele Bundesländer haben inzwischen sogenannte Beherbungsverbote für
Menschen aus deutschen Corona-Risikogebieten erlassen. In mehreren
Bundesländern müssen auch die eigenen Bürger, wenn sie aus dem Kreis

Gütersloh nach Hause kommen, in Quarantäne. Nur wenige Bundesländer
verzichteten zunächst auf Maßnahmen.

Auch im Kreis Gütersloh, in dem ebenfalls nach dem Corona-Ausbruch
bei Tönnies ein regionaler Lockdown gilt, sinkt die Kennziffer nach
extrem hohen Werten weiter. Mit 177,7 Fällen je 100 000 Einwohner in
den vergangenen sieben Tagen (Donnerstag: 192,8) lag der Wert am
Freitag aber weiter deutlich über der Marke von 50. Am Dienstag
betrug der Wert laut NRW-Gesundheitsministerium noch 270,2.

Zuspruch bekamen die Menschen der Region am Freitag von Angela Merkel
(CDU). Sie meldete sich telefonisch beim Landrat des Kreises
Gütersloh, Sven-Georg Adenauer. «Die Bundeskanzlerin hat Mut gemacht
und sich bei mir bedankt», sagte der CDU-Politiker Adenauer laut
Pressemitteilung des Kreises. Die Bürgerinnen und Bürger des Kreises
seien unverschuldet in die aktuelle Situation gekommen, habe die
Kanzlerin Adenauer am Telefon gesagt. Durch den Lockdown und den
damit verbundenen Beschränkungen leisteten sie einen sehr wichtigen
Beitrag, damit sich das Virus nicht über den Kreis Gütersloh hinaus
auch in Deutschland ausbreiten könne.

«Die Bundeskanzlerin dankt sehr herzlich der Bevölkerung und allen,
die für die Bewältigung dieser Krise arbeiten», so der Landrat.
Generell rief die Bundesregierung zu Solidarität bei regionalen
Corona-Ausbrüchen wie rund um Gütersloh und Warendorf auf und warnte
vor einem Anprangern dort lebender Menschen.

Im Fall des Moerser Dönerfleischproduzent Öztas gab es am Freitag
keine Verschärfung der Lage: Es kamen nur noch drei neue
Corona-Nachweise bei Mitarbeitern dazu, die Zahl lag somit bei 82.
Der Betrieb wird nun ab Samstag für zwei Wochen geschlossen. Das
kündigte der Landrat des Kreises Wesel, Ansgar Müller, am Freitag in
Wesel an. Alle rund 275 Beschäftigten mit Ausnahme von 17 Urlaubern
in dem Unternehmen seien nun getestet, sagte der Gesundheitsdezernent
des Kreises, Michael Maas. Nun würden Kontaktpersonen von Infizierten
systematisch mit Reihentests untersucht. Dazu würde die Zahl der
beauftragten Mitarbeiter verdoppelt.

Das Unternehmen Öztas kooperiere vorbildlich, sagte Maas. Die
Mitarbeiter seien beim Unternehmen fest angestellt und wohnten nicht
in Massenunterkünften. Nach Corona-Ausbrüchen bei den Branchengröße
n
Westfleisch und Tönnies waren die Arbeitsbedingungen dort in den
Fokus gerückt.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) dringt deshalb auf
grundlegende Veränderungen im Fleischmarkt, um den ständigen
Preiskampf und problematische Bedingungen zu unterbinden. «Es wird
keine zweite Chance geben für die gesamte Branche», sagte Klöckner
nach einem Treffen mit Branchen- und Verbandsvertretern am Freitag in
Düsseldorf. Die Corona-Krise mit dem großen Infektionsausbruch beim
Fleischproduzenten Tönnies sei wie ein Brennglas für die Situation.

Klöckner kündigte an, Gesetzesverschärfungen zur Preisgestaltung und

Lebensmittelwerbung mit Lockpreisen zu prüfen. Über eine mögliche
Tierwohlabgabe als Preisaufschlag für die Verbraucher wolle sie mit
den Partei- und Fraktionsspitzen im Bundestag sprechen. Dazu sei ein
übergreifender Konsens nötig.