Kassen-Statistik: Etwas mehr bestätigte Behandlungsfehler 2019

25.06.2020 14:44

Dass Medizinern gravierende Fehler passieren, ist sehr selten - kann
aber erhebliche Folgen haben. Gutachter gehen Verdachtsfällen nach -
aber ein Gesamtbild ist auch nach neuen Zahlen schwierig.

Berlin (dpa) - Wegen vermuteter Behandlungsfehler haben Experten der
Krankenkassen im vergangenen Jahr etwas mehr Fälle begutachtet - in
jedem fünften bestätigten sich dadurch entstandene Schäden. Insgesamt

wurden nach Patienten-Beschwerden 14 553 Gutachten erstellt, wie der
Medizinische Dienst der gesetzlichen Krankenkassen (MDK) am
Donnerstag mitteilte. In 2953 Fällen ergab sich demnach, dass Fehler
Gesundheitsschäden verursacht haben - im Jahr 2018 waren 2799 solcher
Bestätigungen verzeichnet worden. Am häufigsten gab es demnach Fehler
bei Zahnwurzelbehandlungen und Prothesen für Hüft- und Kniegelenke.

Die meisten Fehlervorwürfe stehen weiterhin in Zusammenhang mit
Operationen. «Daraus sind aber keine Rückschlüsse auf die Sicherheit

in den jeweiligen Bereichen möglich», erläuterte Stefan Gronemeyer,
stellvertretender Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes. Hier
könnten Patienten mögliche Fehler aber leichter erkennen.

Die Zahl festgestellter Behandlungsfehler und die Verteilung auf
medizinische Fachgebiete seien auch nicht repräsentativ für das
Versorgungsgeschehen, hieß es weiter. Die tatsächliche Zahl liege
höher. «Wir sehen nur die Spitze des Eisbergs», sagte Gronemeyer.

Wenn Versicherte Fehler vermuten, können sie sich bei Gutachtern und
Schlichtern der Ärzte und bei den Kassen melden, die dann Gutachten
in Auftrag geben. Insgesamt gibt es jährlich 20 Millionen
Behandlungen in Kliniken und eine Milliarde Arztkontakte in Praxen.

Der Medizinische Dienst äußerte sich besorgt über eine seit Jahren
nahezu unveränderte Zahl von Fehlern, die eigentlich durch übliche
Sicherungsmaßnahmen wie Checklisten zu vermeiden wären. Dazu gehören

Operationen an einem falschen Körperteil oder starkes Wundliegen im
Krankenhausbett. Wie in anderen Ländern sollte es auch in Deutschland
eine nationale Liste und eine anonyme Meldepflicht hierfür geben.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte, dass es nach wie
vor keine Statistik gebe, die Daten zu Behandlungsfehlern zentral
sammelt. «Gerichte, Ärzte und Medizinischer Dienst arbeiten
nebeneinander her», sagte Vorstand Eugen Brysch. Es gebe außerdem
immer noch keinen Härtefall-Fonds, der das größte Leid von
Behandlungsopfern lindern sollte. «Die Versprechungen des
Koalitionsvertrags werden von der SPD und der Union nicht erfüllt.»