Klöckner will mit Ländern und Verbänden über Fleischmarkt beraten

24.06.2020 15:35

Berlin/Düsseldorf (dpa) - In der Debatte um Billigpreise für Fleisch
will Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) über Konsequenzen
beraten. Dazu lädt sie mit ihrer nordrhein-westfälischen Amtskollegin
Ursula Heinen-Esser (CDU) und Niedersachsens Ressortchefin Barbara
Otte-Kinast (CDU) an diesem Freitag zu einem Treffen nach Düsseldorf.
An dem «Branchengespräch» zur gesamten Kette des Marktes vom Stall
bis zum Teller sollen Vertreter von Tierhaltern, Schlachtereien,
Ernährungswirtschaft, Handel und Verbraucherschützer teilnehmen. Auch
das Bundeskartellamt, Tierschützer und Tierärzte werden erwartet.

Heinen-Esser (CDU) forderte nach den Corona-Ausbrüchen in
Schlachthöfen einen «echten Neuanfang» in der Fleischwirtschaft.
«Wenn wir nicht in der gesamten Kette der Fleischproduktion
Änderungen herbeiführen, dann werden wir in wenigen Monaten auch nach
der Pandemie hier wieder stehen und die Zustände beklagen», sagte sie
am Mittwoch in einer Aktuellen Stunde im Düsseldorfer Landtag. Firmen
wie Tönnies schlachteten täglich 25 000 bis 30 000 Tiere - «damit
wir billigstes Fleisch in den Discountern kaufen können».

Notwendig sei eine «Neujustierung» der Tierhaltung in Deutschland,
teilte das Bundesministerium mit. Fleisch und Wurst seien oft zu
billig. Unter diesen Bedingungen seien faire Arbeitsbedingungen und
Löhne, hohe Tierwohlstandards und ein auskömmliches Einkommen von
Tierhaltern schwer zu erreichen. «Wir alle stehen hier in der
Verantwortung. Deshalb setzen wir auf die Teilnahme und Mitarbeit der
gesamten Kette», erklärten die drei Ministerinnen.

Nach dem großen Corona-Ausbruch beim Branchenriesen Tönnies geraten
das Unternehmen und die ganze Schlachtindustrie immer stärker unter
Druck. Billigangebote in Supermärkten stehen am Pranger. Klöckner
setzt sich nun auch für eine Tierwohlabgabe ein, die auf Fleisch und
andere tierische Produkte aufzuschlagen wäre. Dies empfiehlt auch
eine Expertenkommission des Bundesministeriums als ein Element der
Finanzierung, um Bauern bei Stallumbauten zu unterstützen.