Landrat: Tönnies soll in Weißenfels die Belegschaft regelmäßig test en

23.06.2020 19:44

Weißenfels (dpa/sa) - Der Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich
(CDU), hat den Fleischverarbeiter Tönnies dazu aufgefordert, die
gesamte Belegschaft in Weißenfels regelmäßig auf das Coronavirus zu
testen. «So erhalten wir nicht nur an einem Stichtag einen Überblick,
sondern haben ein regelmäßiges Lagebild im Unternehmen», teilte
Ulrich am Dienstagabend mit. Die Aufforderung sei in Abstimmung mit
der Landesregierung Sachsen-Anhalt geschehen. Auch wer als
Werkvertragsbeschäftigter formal für ein Subunternehmen arbeite,
solle getestet werden.

Derzeit seien dem Gesundheitsamt des Burgenlandkreises aber keine
Infektionen im Schlachthof in Weißenfels bekannt. «Es wäre eine
Katastrophe für die Einwohner und die gesamte Wirtschaft im
Burgenlandkreis, wenn wir wie im Kreis Gütersloh alles herunterfahren
müssten», so Ulrich weiter.

Die Behörden in Nordrhein-Westfalen haben am Dienstag den Alltag von
mehr als 640 000 Einwohnern in der Region um die größte deutsche
Fleischfabrik erheblich eingeschränkt. Hunderte Beschäftigte des
Tönnies-Betriebs in Rheda-Wiedenbrück hatten sich zuvor infiziert.
Auch bei einem Schlachthof in Niedersachsen gab es einen
Corona-Ausbruch, eine Reihentestung sei bei 23 von 50 getesteten
Mitarbeitern der PHW-Gruppe («Wiesenhof») in Wildeshausen positiv
verlaufen, sagte ein Sprecher des Landkreises.

Der Tönnies-Betrieb in Weißenfels ist nach Unternehmensangaben mit
rund 2200 Mitarbeitern der zweitgrößte Tönnies-Schlachtstandort. Bis

zum 30. Juni soll der Konzern dem Gesundheitsamt die Kontaktdaten
aller Arbeitskräfte übergeben. Die Wohnanschriften seien wichtig,
falls eine Quarantäne verhängt werden müsse, erklärte der Landkreis
.

Der Landkreis plane außerdem die Versorgung unter Quarantäne
gestellter Menschen, das Hinzuziehen von Dolmetschern und beschäftige
sich mit der logistischen Planung erneuter Corona-Massenabstriche.
Zudem soll ermittelt werden, welche Bereiche wie Schulen und Kitas
von einem Ausbruch besonders betroffen wären. Infektionsketten
müssten dann schnell ermittelt und unterbrochen werden, um einen
Lockdown zu verhindern, hieß es.

In Weißenfels waren im Mai bereits knapp 1200
Schlachthof-Beschäftigte freiwillig auf das Coronavirus getestet
worden - alle negativ.