Usedom schickt 14 Urlauber nach Hause

23.06.2020 18:10

Was als erholsamer Urlaub geplant war, endete frühzeitig. Touristen
mussten die Insel Usedom vorzeitig verlassen.

Heringsdorf (dpa/mv) - Auf der Urlaubsinsel Usedom sind am Montag 14
Menschen aus Corona-Risiko-Gebieten aufgefordert worden, vorzeitig
abzureisen. Sie müssen sich unverzüglich bei ihrem heimischen
Gesundheitsamt melden, wie der Sprecher des Kreises
Vorpommern-Greifswald, Achim Froitzheim, am Dienstag der Deutschen
Presse-Agentur sagte. Beim Zahlen der Kurtaxe seien die Fälle
aufgefallen. Ob am Dienstag weitere Menschen die Insel verlassen
mussten, war zunächst unklar. Den Landkreisen Nordwestmecklenburg,
Mecklenburgische Seenplatte, Ludwigslust-Parchim und Vorpommern-Rügen
waren Fälle von zurückgeschickten Urlaubern zunächst nicht bekannt.

Froitzheim verwies auf die Verordnung des Landes
Mecklenburg-Vorpommern. Demnach dürfen Personen nicht einreisen oder
bleiben, wenn sie aus einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt
kommen, in denen in den vergangenen sieben Tagen vor Einreise die
Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner höher als 50 ist.
Sollte sich der Wohnort-Landkreis eines Touristen erst zu diesem
Gebiet entwickeln, wenn er bereits in MV ist, darf er weiterhin
seinen Urlaub hier verbringen, teilte das Gesundheitsministerium auf
Anfrage mit.

Laut Landkreis Vorpommern-Greifswald kann sich ein Gast aus einem
Risikogebiet, wenn er sich doch in dem Landkreis aufhält,
kostenpflichtig in einem Greifswalder Labor testen lassen. Bis das
Ergebnis vorliege, müsse er die Zeit in der Unterkunft verbringen. In
aller Regel liege das Ergebnis am Folgetag vor. Ist das Ergebnis
negativ, darf er bleiben, bei positivem Ausgang muss er abreisen.

In Niedersachsen dürfen Menschen aus deutschen Risikogebieten
weiterhin Urlaub machen. Eine entsprechende Regelung gelte nur für
das Ausland, hieß es vom dortigen Gesundheitsministerium. Bayern
hatte am Dienstag ein Beherbergungsverbot beschlossen für Menschen,
die von diesen schwer betroffenen Gebieten direkt in den Freistaat
kommen. Die Kreise Warendorf und Gütersloh in Nordrhein-Westfalen
liegen nach jüngsten Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) bei mehr
als 50 Neuinfektionen innerhalb einer Woche pro 100 000 Einwohner.

Die Landesregierung Schleswig-Holstein hatte am Dienstag eine
Ergänzung der Quarantäneverordnung beschlossen. Künftig sollen sich
auch Reisende aus deutschen Risikogebieten in zweiwöchige Quarantäne
begeben, wenn sie einreisen. Sie müssten sich auf direktem Wege in
eine Unterkunft begeben. Anlagen mit sanitären
Gemeinschaftseinrichtungen wie Campingplätze und Jugendherbergen
seien nicht geeignet, hieß es in einer Mitteilung der Staatskanzlei.
Schleswig-Holstein plädierte für eine bundeseinheitliche Regelung.
Dazu werde es am Mittwoch eine Telefonkonferenz der
Gesundheitsminister geben.

Am Montag wurde ein Ehepaar aus Gütersloh aufgefordert, die Insel
Usedom vorzeitig zu verlassen. Im Kreis Gütersloh hatte es einen
massiven Corona-Ausbruch in einer Fleischfabrik der Firma Tönnies
gegeben. Ob die zurückgeschickten Urlauber alle aus Gütersloh kommen,
sagte der Sprecher zunächst nicht.

Laut Froitzheim ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Die 14
Fälle repräsentierten lediglich den Montag. «Dieses Thema betrifft
die ganze Urlaubsregion Mecklenburg-Vorpommern. Natürlich schicken
wir nur ungern Urlauber zurück, aber das ist unsere Aufgabe, das Heft
des Handelns in die Hand zu nehmen.»

Laut Landesverordnung können aber auch Gäste aus Risiko-Regionen in
Mecklenburg-Vorpommern Urlaub machen. Dafür müssen sie ein ärztliches

Zeugnis vorlegen, das bestätigt, «dass keine Anhaltspunkte für das
Vorliegen einer Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 vorhanden
sind». Laut Gesundheitsministerium handelt es sich bei dem Zeugnis um
einen Corona-Test, der bei Einreise nach MV höchstens 48 Stunden alt
sein darf.

«Dieses Ergebnis zeigt, dass wir immer noch in einer Krisensituation
sind», sagte Lars Schwarz, MV-Präsident des Deutschen Hotel- und
Gaststättenverbandes (Dehoga). Er forderte eine bundesweite Lösung,
wie mit Touristen aus Corona-Risikogebieten umzugehen sei.

«Wir haben gehofft, dass das ein theoretisches Problem bleibt», sagte
Tobias Woitendorf, Geschäftsführer des Landestourismusverbands. Nach
seinen Schätzungen kommen mehr als zehn Prozent der jährlichen
Touristen aus Nordrhein-Westfalen, was mehr als eine Million Menschen
sei.

Woitendorf und Schwarz appellierten an die Mitarbeiter in der
Branche, weiterhin wachsam zu sein, wenn Menschen aus Risikogebieten
in MV Urlaub machen wollen und dies entsprechend weiterzugeben an die
Behörden. «Wir müssen zum Schutz der Bevölkerung, unserer Gäste u
nd
unserer Mitarbeiter handeln», sagte Schwarz.