NRW verhängt regionalen Lockdown - massive Reihentests

23.06.2020 12:29

Über 1550 Arbeiter des Fleischverarbeiters Tönnies haben sich mit dem
Coronavirus infiziert. Die NRW-Regierung zieht die Notbremse.
Regierungschef Armin Laschet verkündet einen regionalen Lockdown und
massive Tests in der Bevölkerung.

Gütersloh/Düsseldorf (dpa) - Nach dem Corona-Ausbruch beim
Fleischverarbeiter Tönnies schränken die NRW-Behörden das öffentlic
he
Leben im Kreis Gütersloh massiv ein. Erstmals in Deutschland werde
ein gesamter Kreis wegen des Corona-Infektionsgeschehens wieder auf
die Schutzmaßnahmen zurückgeführt, die noch vor einigen Wochen
gegolten hätten, sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am
Dienstag in Düsseldorf. Im Kreis Gütersloh handele es sich um das
bisher «größte Infektionsgeschehen» in NRW und in Deutschland.

Grund für den Schritt ist der Corona-Massenausbruch beim
Fleischverarbeiter Tönnies. Beim Schlachtbetrieb des Marktführers im
westfälischen Rheda-Wiedenbrück hatten sich mehr als 1550
Beschäftigte nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Der Lockdown
gelte zunächst für eine Woche. Bis zum 30. Juni werde man dann mehr
Klarheit haben, inwieweit sich das Virus womöglich auch bei Menschen,
die nicht bei Tönnies arbeiten, ausgebreitet habe, sagte Laschet.
Bisher gebe es hier nur 24 nachgewiesene Infektionen. Die Behörden
werden die Tests in der Bevölkerung zudem massiv ausweiten, betonte
der Regierungschef.

Rund 7000 Mitarbeiter stehen mitsamt ihren Familien seit einigen
Tagen unter Quarantäne. Die Einhaltung der Quarantäne-Maßnahmen
gestaltet sich aber schwierig. Die nordrhein-westfälische
Landesregierung habe drei Einsatzhundertschaften der Polizei in den
Kreis Gütersloh geschickt, sagte Laschet. Die Polizisten sollten die
Quarantäne der Mitarbeiter von Tönnies kontrollieren. Die Polizei
werde die mobilen Testteams begleiten. Zur Not müssten die Behörden
auch mit Zwang die Anordnungen durchsetzen. Es werde auch zusätzliche
humanitäre Maßnahmen zur Unterstützung der Betroffenen geben.

Schulen und Kitas im Landkreis Gütersloh mit rund 370 000 Einwohnern
waren bereits geschlossen worden. Für die größte deutsche
Fleischfabrik war zudem ein vorübergehender Produktionsstopp verhängt
worden. Auch im Kreis Warendorf werde es Einschränkungen geben.