Fast 2000 jugendliche Trinker landeten im Krankenhaus

23.06.2020 05:30

Trinken bis der Arzt kommt: Wenn Kinder und Jugendliche zum Alkohol
greifen, können sie die Folgen oft noch weniger abschätzen als
Erwachsene. Bei den unter 15-Jährigen hat das sogenannte Komasaufen
deutlich zugenommen - und es ist keineswegs eine «Männersache».

Hannover (dpa/lni) - Wegen einer Alkoholvergiftung sind 2018 in
Niedersachsen fast 2000 Kinder und Jugendliche ins Krankenhaus
gekommen. Das waren rund 3,2 Prozent weniger als im Jahr zuvor, wie
ein Sprecher der Krankenkasse DAK-Gesundheit mitteilte. Allerdings
sei die Zahl der Komasäufer unter 15 Jahren mit 242 Betroffenen im
Vergleich zu 2017 um fast 20 Prozent gestiegen. Grundlage sind
bislang unveröffentlichte Zahlen des Statistischen Landesamtes.

Insgesamt gab es danach landesweit genau 1917 alkoholbedingte
Einweisungen für Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 20 Jahren.
Betroffen waren 1067 Jungen und 850 Mädchen. Während die Zahl damit
bei den Jungen im Vergleich zum Vorjahr um 3,7 Prozent sank, stieg
sie bei den Mädchen um 2,9 Prozent. Bei den 242 Betroffenen unter 15
Jahren waren die Mädchen mit 132 sogar in der Mehrzahl.

«So erfreulich der erneute Rückgang insgesamt ist, so sehr sehe ich
den Anstieg bei der jüngeren Altersgruppe mit Besorgnis», sagte Dirk
Vennekold, Leiter der DAK-Landesvertretung in Niedersachsen. Deshalb
werde die Präventionskampagne «bunt statt blau» fortgesetzt.
Schirmherrin ist Sozialministerin Carola Reimann (SPD).

Bei der Aktion sollen Schüler Plakate mit kreativen Botschaften gegen
das Rauschtrinken entwerfen. Das soll sie dazu bringen, sich mit dem
Thema Alkoholmissbrauch auseinanderzusetzen. Seit dem Start 2010
nahmen nach Angaben des Sprechers bundesweit bereits mehr als 100 000
Schüler und Schülerinnen zwischen zwölf und 17 Jahren daran teil. Wie

geplant sollen dabei auch in diesem Jahr Bundes- und Landessieger
gekürt werden. Wegen der coronabedingten Schulschließungen wurde der
Einsendeschluss in diesem Jahr auf den 15. September verschoben.