Sonne, Mond und Sterne im Juli 2020 - Sternschnuppen der Aquariden Von Hans-Ulrich Keller, dpa

22.06.2020 07:00

Von Mitte Juli an sind wieder die Meteore des Sternschnuppenstromes
der Aquariden zu erwarten. Zudem geben mehrere Planeten ein
eindrucksvolles Bild ab. Zu einem von ihnen sollen im Juli gleich
zwei Raumfahrt-Missionen starten.

Stuttgart (dpa) - Im Juli beherrschen die beiden größten Planeten
unseres Sonnensystems, Jupiter und Saturn, den Nachthimmel. Mitte
Juli stehen sie im Sternbild Schütze der Sonne gegenüber. Diese
Stellung nennt man Opposition. Wenn die Sonne im Nordwesten unter den
Horizont sinkt, erscheinen Jupiter und Saturn im Südosten.

Jupiter rückt immer mehr an den etwas östlicher befindlichen Saturn
heran. Es ist spannend, die Annäherung beider Riesenplaneten zu
verfolgen. Jupiter ist der schnellere Planet: In 12 Jahren umrundet
er einmal die Sonne, während Saturn dafür fast 30 Jahre benötigt. Zu

Winterbeginn am 21. Dezember wird Jupiter den ringgeschmückten Saturn
einholen.

Der Durchmesser von Jupiter ist 11 Mal größer als der Erddurchmesser,
der des Saturn 10 Mal. Jupiter dreht sich von allen Planeten am
schnellsten: Ein Jupitertag dauert nur knapp 10 Stunden. Auch Saturn
zählt zu den schnell rotierenden Planeten. Eine Saturnumdrehung
erfolgt in 10 Stunden und 30 Minuten. Wegen ihrer raschen Rotation
sind beide Riesenplaneten stark abgeplattet, was man in einem
Teleskop deutlich erkennen kann.

Schon in einem kleinen Fernrohr kann man den berühmten Ring des
Saturn ab etwa 30-facher Vergrößerung ausmachen. Richtig
beeindruckend wirkt der Ring ab 200-facher Vergrößerung. Auch die
anderen großen Planeten Jupiter, Uranus und Neptun sind von Ringen
umgehen. Sie sind aber so unscheinbar und lichtschwach, dass sie in
irdischen Teleskopen nicht zu sehen sind.

Wie Aufnahmen von Raumsonden zeigen, setzt sich der Saturnring aus
vielen Hundert einzelnen Ringen zusammen, was Saturn den Beinamen
«Herr der tausend Ringe» eingebracht hat. Das Saturnring-System ist
ein relativ junges Gebilde: Während Saturn und die anderen Planeten
vor 4,6 Milliarden Jahren aus einer gewaltigen Gas- und Staubscheibe
gebildet wurden, ist der Saturnring erst hundert Millionen Jahre alt.
Hätten die Dinosaurier im Erdmittelalter Fernrohre besessen, einen
Saturnring hätten sie nicht gesehen. Auch ist der Saturnring
astronomisch betrachtet ein kurzfristiges Gebilde: In etwa hundert
Millionen Jahren wird es ihn nicht mehr geben.

Jupiter strahlt in einem hellen, glänzend weißen Licht und übertrifft

alle anderen Sterne am Nachthimmel, bis ihm morgens die noch hellere
Venus Konkurrenz macht. Zurzeit ist unser innerer Nachbarplanet
Morgenstern. Bereits am 10. Juli strahlt Phosphoros, so wird der
Morgenstern auch genannt, in maximalem Glanz. Damit übertrifft Venus
auch Jupiter und Mars bei weitem an Helligkeit.

Zu Monatsbeginn geht Venus um 3.30 Uhr im Nordosten auf, Ende Juli
schon zwei Stunden früher. Am 12. zieht Venus nur zwei
Vollmondbreiten nördlich an Aldebaran, dem rötlichen Hauptstern des
Stieres, vorbei. Dies ist die geringste Distanz eines hellen Planeten
von Aldebaran im 21. Jahrhundert. Ein besonders netter Himmelsanblick
ergibt sich am 17. gegen 5 Uhr morgens, wenn sich die Sichel des
zunehmenden Mondes zum Morgenstern gesellt. Beide Gestirne sind knapp
über dem Nordosthorizont zu sehen.

Mars ist in der zweiten Nachthälfte am Firmament vertreten. Er
wandert durch das Sternbild Fische. Die Erde beginnt den
rötlich-gelben Planeten einzuholen und kommt ihm immer näher. Deshalb
steigert sich die Marshelligkeit im Juli deutlich. Anfang des Monats
geht Mars um Mitternacht auf, Ende Juli schon eine halbe Stunde
früher. Am 11. begegnet der abnehmende Halbmond dem roten Planeten.
Mitte Oktober wird die Erde unseren äußeren Nachbarplaneten
überholen.

Im Juli sollen zwei Raumsonden zum Mars starten: erstmals eine
chinesische Mission, «Tianwen-1» (Fragen an den Himmel), sowie die
Nasa-Mission «Perseverance» (Ausdauer), die sogar einen Hubschrauber
mitführt, der in der extrem dünnen Marsatmosphäre Erkundungsflüge
durchführen soll.

Ende Juli erscheint auch der flinke Merkur auf der morgendlichen
Himmelsbühne. Gute Sichtbedingungen vorausgesetzt lässt sich Merkur
ab dem 26. in der Morgendämmerung knapp über dem Nordosthorizont
erspähen.

Vom 12. Juli bis Mitte August sind die Meteore des
Sternschnuppenstromes der Aquariden zu erwarten. Zum Maximum in der
Nacht vom 28. auf 29. tauchen etwa 20 bis 30 Sternschnuppen auf. Sie
dringen mit mittlerer Geschwindigkeit von 40 Kilometern pro Sekunde -
das sind 144 000 Kilometer pro Stunde - in die Lufthülle der Erde ein
und verglühen. Der Ausstrahlungspunkt oder Radiant liegt im Sternbild
Wassermann nahe dem Stern Delta Aquarii. Als Ursprungskomet wird der
Komet «96P/Machholz» verdächtigt.

Die Vollmondphase tritt am 5. um 6.44 Uhr im Sternbild Schütze ein.
Der Vollmond strahlt dabei in der Nähe der Planeten Jupiter und
Saturn. Bei seiner Passage der Mittagslinie erreicht er die geringste
Höhe über dem Südpunkt in diesem Jahr. Neumond wird am 20. um 19.33
Uhr erreicht. Außerdem streift der Vollmond den Halbschatten der
Erde. Allerdings ist der Mond dann bei uns schon untergegangen.
Mit einer Distanz von 404 200 Kilometer hält sich der Mond am 12. in
Erdferne auf, während ihn am 25. in Erdnähe nur 368 360 Kilometer von
uns trennen.

Gegen Mitternacht sieht man das Sommerdreieck hoch im Süden. Es setzt
sich jeweils aus den hellsten Sternen dreier Sternbilder zusammen,
nämlich aus Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Atair im Adler.
Die Sternbilder Bootes mit dem orangen Arktur und der Jungfrau mit
der bläulichen Spica sind in der westlichen Himmelshälfte zu
beobachten. Sie erinnern an vergangene Frühlingstage.

Tief im Süden hält sich der rote Antares auf, ein Überriesenstern.
Stünde die Sonne in seinem Mittelpunkt, so läge die Erdbahn noch
innerhalb der Antareskugel, denn der Durchmesser dieses riesigen
Sternes beträgt etwa 970 Millionen Kilometer. Antares ist rund 600
Lichtjahre von uns entfernt. Er ist der Hauptstern des Skorpions. In
unseren Breiten ist der Skorpion nie vollständig zu sehen: Der lange
Schwanz mit dem Giftstachel zeigt sich erst in südlicheren Regionen.

Der Sage nach befanden sich einst Artemis und Orion auf der Insel
Kreta, um zu jagen. Orion prahlt mit seinen Jagderfolgen. Die
Erdmutter Gaia bestraft ihn für seine Angeberei. Sie lässt einen
Skorpion aus der Unterwelt emporsteigen, der Orion sticht und damit
tötet. Beide werden unter die Sterne versetzt, wobei Orion stets vor
dem Skorpion flieht: Geht das Sternbild Skorpion auf, geht das
Sternbild Orion unter. Erscheint Orion wieder am Osthimmel, so ist
der Skorpion bereits untergegangen. Beide bleiben in den himmlischen
Gefilden für immer getrennt.

Der Große Wagen steht hoch im Nordwesten, während die Kassiopeia im
Nordosten langsam aufsteigt. Die Sternenfigur der Kassiopeia wird
auch Himmels-W genannt. Gegenwärtig sieht sie aber eher aus wie ein
großes lateinisches «M».

Am 4. passiert die Erde den sonnenfernsten Punkt ihrer elliptischen
Bahn. An diesem Tag trennen uns 152 Millionen Kilometer vom Glutball
Sonne. Das Sonnenlicht überbrückt diese Strecke in acht Minuten und
17 Sekunden. Die Sonne läuft am absteigenden Ast ihrer Jahresbahn. Am
20. wechselt sie nachmittags aus dem Sternbild Zwillinge in das
Sternbild Krebs. Zwei Tage später tritt sie in das Tierkreiszeichen
Löwe. Die Mittagshöhen der Sonne gehen um fünf Grad zurück, die
Tageslänge schrumpft um rund eine Stunde.