Corona-Fall bei Golfturnier stellt PGA-Hygienekonzept auf die Probe Von Marc Möller und Benjamin Siebert, dpa

21.06.2020 11:49

Die PGA-Tour muss nach ihrem Comeback die erste Bewährungsprobe
bestehen. Der US-Golfprofi Nick Watney wird in Hilton Head Island
positiv getestet. Sportlich fiel Deutschlands Routinier Bernhard
Langer am dritten Tag zurück.

Hilton Head Island (dpa) - Der positive Corona-Test des US-Golfprofis
Nick Watney hat das umfangreiche Hygienekonzept der millionenschweren
PGA-Tour bereits beim zweiten Turnier nach dem Comeback auf eine
harte Probe gestellt. Der 39-jährige US-Amerikaner war am Freitag bei
der RBC Heritage in Hilton Head Island positiv auf das Coronavirus
getestet worden. Die Verantwortlichen der US-Tour handelten umgehend
und testeten alle Personen, die engen Kontakt zu Watney hatten. Am
Samstag gab die PGA-Tour Entwarnung: Alle elf Ergebnisse seien
negativ. Die Golf-Show wurde fortgesetzt.

«Wir sind immer noch mitten in einer Pandemie», mahnte der
Weltranglisten-Erste Rory McIlroy. Es sei bitter für Watney, dass er
sich das Virus eingefangen habe. «Aber wie gesagt, es ist ein Fall.
Und solange es dabei bleibt, können wir weiterspielen», sagte der
viermalige Major-Sieger aus Nordirland. Auch er hatte Kontakt zu
Watney. Beide plauderten eine Weile auf dem Putting-Grün - aber mit
genügend Abstand.

Der Weltranglisten-Dritte Justin Thomas kritisierte, dass die
Menschen im Urlaubsparadies Hilton Head Island die Corona-Gefahr
«nicht sehr ernst» zu nehmen scheinen. «Es ist ein absoluter Zoo
hier. Überall sind Menschen. Die Strände sind absolut voll. Jedes
Restaurant, an dem ich vorbeigefahren bin, ist absolut überfüllt»,
sagte der 27 Jahre alte US-Amerikaner. Auch der mexikanische Profi
Carlos Ortiz bemerkte, dass es auf der idyllischen Insel an der Küste
von South Carolina eigentlich kein «Social Distancing» gebe. «Wir
waren erstaunt, dass kaum jemand eine Maske trug.»

Watney war privat zum Turnier nach Hilton Head Island gereist und bei
der Ankunft noch negativ getestet worden. Am Freitag hatte der
fünfmalige PGA-Tour-Sieger dann Symptome gespürt und einen Arzt
konsultiert. Nach dem positiven Test trat der Kalifornier
dementsprechend nicht mehr zur zweiten Runde an. Nach den Regeln der
US-Tour muss er sich mindestens zehn Tage selbst isolieren und zwei
negative Testergebnisse im Abstand von mindestens 24 Stunden
vorweisen.

Watney ist das erste Mitglied der PGA-Tour, das positiv auf das
Coronavirus getestet wurde. Insgesamt 369 Personen (Spieler, Caddies,
Personal) waren vor Turnierbeginn negativ getestet worden. Die
US-Tour hatte vor einer Woche in Fort Worth/Texas ihr Comeback
gegeben. In der Corona-Krise sind Zuschauer auf dem Platz verboten.

Sportlich erlebte Deutschlands Golf-Routinier Bernhard Langer vor der
Finalrunde in Hilton Head Island einen kleinen Rückschlag. Der
62-Jährige aus Anhausen spielte am Samstag (Ortszeit) bei dem mit 7,1
Millionen Dollar dotieren Turnier eine 71er-Runde und fiel mit
insgesamt 207 Schlägen vom 28. auf den geteilten 63. Rang zurück.

Langer, der sonst auf der US-Senioren-Tour von Sieg zu Sieg eilt,
hatte das Turnier in Hilton Head Island 1985 nur eine Woche nach
seinem ersten Masters-Sieg in Augusta gewonnen. Dadurch hat der
Masters-Champion von 1985 und 1993 ein lebenslanges Startrecht bei
dem PGA-Turnier.

Vor dem Schlusstag teilte sich ein Quartett die Führung. Der
Engländer Tyrrell Hatton, Abraham Ancer aus Mexiko sowie die beiden
US-Amerikaner Ryan Palmer und Webb Simpson lagen mit jeweils 198
Schlägen gemeinsam an der Spitze.