Jahrmarktabsagen in Brandenburg bedrohen Existenzen von Schaustellern Von Christian Bark, dpa

20.06.2020 10:12

Kein Stadtwerkefest in Potsdam und kein «Bunter Hering» in Frankfurt
(Oder): Wegen der Corona-Einschränkungen sind Volks- und Stadtfeste
in Brandenburg nach wie vor nicht möglich. Das bringt Schausteller
und Händler in arge Bedrängnis.

Potsdam (dpa/bb) - Die Absagen von Großveranstaltungen wie Volks- und
Stadtfesten wegen der Corona-Pandemie machen Händlern und
Schaustellern in Brandenburg schwer zu schaffen und bedrohen etliche
Existenzen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.
«Bisher setzen wir und der Deutsche Schaustellerbund alles daran,
möglichst alle Firmen zu retten», sagt Ron Affeldt vom
Brandenburgischen Schaustellerverband. Für eine Bilanz, wie hart die
Branche durch die Krise betroffen sei, wäre es aber noch zu früh.

Während Lebensmittelmärkte die gesamte Zeit über stattfinden konnten,

mussten Spezialmärkte abgesagt werden. In Frankfurt (Oder) seien im
März ein Handwerkermarkt in der Marienkirche, im Juni das
Uni-Sommerfest und für den Juli auch das Hansestadtfest «Bunter
Hering» betroffen gewesen, sagt Kora Kutschbach, Sprecherin der
Stadt. Neu geplant seien das Yoga Festival für Ende August und das
Streetfood Festival für Mitte Oktober. Noch nicht abgesagt seien auch
der Jahrmarkt zum Oktoberfest und die Oderweihnacht.

In Potsdam finden beispielsweise das Frühlingsfest und das
Stadtwerkefest nicht statt. Für spezielle Märkte sind die
Bestimmungen nun aber gelockert worden. «Nach der landesrechtlichen
Umgangsverordnung dürfen Märkte in der Verantwortung der Veranstalter
grundsätzlich unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln
stattfinden», sagt Potsdams Stadtsprecherin, Juliane Güldner.

«Wir sind mit verschiedenen Kommunen in Verhandlung, vielleicht im
September kleine Veranstaltungen zu realisieren, jedoch ist dieses
alles von den Rahmenbedingungen abhängig», sagt Ron Affeldt.
Zumindest seien die Schausteller bei den ersten Rettungsprogrammen
der Länder und des Bundes dabei gewesen. «Auch in dem nächsten
Rettungsprogramm sind die Schausteller explizit vorgesehen», sagt der
Verbandsgeschäftsführer. Ob die dann etwa bis zu 18 000 Euro
Betriebskostenzuschuss das Überleben sichern könnten, müsse man
abwarten.

Einbußen wegen abgesagter Großveranstaltungen muss auch der
stationäre und mobile Handel hinnehmen. «Große Besucherzahlen, die
wegen Festen und Märkten in die Städte kommen, bleiben aus», sagt
Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands
Berlin-Brandenburg. Sein Verband habe sich mit dafür eingesetzt, dass
zumindest Flohmärkte wieder stattfinden dürfen. Wichtig für den
Handel sei es jetzt, alle Signale auf grün zu schalten und jede
Chance auf eine Ankurbelung der Konjunktur wahrzunehmen. «Es geht um
jeden einzelnen Arbeitsplatz im Handel», betont er. Auch mit
Sonntagsöffnungszeiten sollte großzügig umgegangen werden.    

Die Stadt Frankfurt (Oder) unterstütze die Kleinkünstler sowie die
lokale Kulturszene, indem sie Informationen zu Förderprogrammen und
Hilfsmaßnahmen von Bund und Land bereit stelle, sagte Sprecherin
Kutschbach. Juliane Güldner verweist in dem Zusammenhang auf
Mikrostipendien von jeweils 1000 Euro vom Land für Einzelkünstler,
damit sie während der Corona-Krise kleine künstlerische Projekte
realisieren können.