Kreis: Alle Tönnies-Mitarbeiter in Rheda-Wiedenbrück unter Quarantäne

19.06.2020 20:45

Der Kreis Gütersloh ergreift weitere Maßnahmen: Sämtliche
Tönnies-Mitarbeiter in Rheda-Wiedenbrück müssen in Quarantäne. Zude
m
bittet der Kreis um weitere Unterstützung.

Rheda-Wiedenbrück (dpa) - Nach dem Corona-Ausbruch beim
Fleischproduzenten Tönnies müssen sämtliche Mitarbeiter am Standort
Rheda-Wiedenbrück in Quarantäne. Das betreffe auch die Verwaltung,
das Management und die Konzernspitze, teilte der Kreis Gütersloh am
Freitagabend mit. Auch sämtliche «Haushaltsangehörige» der
Beschäftigten seien unter Quarantäne.

Einige Mitarbeiter können den Angaben nach in sogenannte
Arbeitsquarantäne. Das heißt, dass sie sich nur zwischen Arbeits- und
Wohnort bewegen dürfen. Das gilt auch für Clemens Tönnies,
Gesellschafter von Deutschlands größtem Schlachtbetrieb Tönnies, wie

ein Konzernsprecher der Deutschen-Presse Agentur sagte.

«Wir werden alles unternehmen, um einen weitreichenden Lockdown im
Kreis Gütersloh zu verhindern. Leider müssen wir feststellen, dass
die für das Personal in den Produktionsbereichen am 16. Juni
erlassenen Quarantänen nicht von allen eingehalten wurden», sagte
Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) laut Mitteilung. Die Überprüfung
der Quarantäne werde mit den örtlichen Ordnungsbehörden und mit
weiteren auswärtigen Kräften deutlich verstärkt. Wie viele Menschen
nun konkret betroffen sind, blieb zunächst offen. Landrat Adenauer
hatte bereits zuvor Quarantäne für rund 7000 Menschen verfügt. Das
wurde nun ausgeweitet.

Nach Angaben des Kreises wurden mittlerweile 3500 Tests bei der Firma
Tönnies vorgenommen. Am Freitag seien allein 1450 Mitarbeiter
getestet worden, berichtete der Kreis am späten Nachmittag. Bislang
wurden insgesamt 803 Infizierte registriert. 463 Testergebnisse waren
negativ. Die restlichen Befunde stehen noch aus.

Der Tönnies-Betrieb in Rheda-Wiedenbrück steht wegen des
Corona-Ausbruchs seit Mittwoch weitgehend still. Laut Kreis-Angaben
wurden am Freitag der Lebensmittelbetrieb und der Werksverkauf für
die Öffentlichkeit geschlossen. Die Zerlegebetriebe und der Versand
würden am Samstagabend geschlossen, so der Kreis. Die Maßnahmen
sollen laut Kreis überwacht werden, Tore seien verplombt worden. «Die
Schließungen umfassen einen Zeitraum von 14 Tagen», hieß es.

Der Kreis teilte zudem mit, dass der Krisenstab weitere externe
Unterstützung angefordert habe: So sollten 20 Scouts der Bundeswehr
dem Kreis beim «Kontaktmanagement» helfen. Auch das Land NRW sei um
Hilfe gebeten worden. Mit einer großen Zahl an mobilen Teams sollten
Unterkünfte aufgesucht werden, um dort Abstriche zu machen und
medizinisch zu beraten. Zudem sei ein Hilfeersuchen an die Polizei
gegangen, die bereits zugesagt habe: Die Beamten sollen den
Ordnungsbehörden der Kommunen im Kreis bei der Quarantäneüberprüfun
g
helfen. Seit Freitag sind im Kreis bereits 25 Bundeswehr-Soldaten im
Einsatz. Sie helfen den Angaben zufolge bei den großangelegten
Reihentestungen bei Tönnies.