Zahl der Neuinfektionen auf höchstem Stand seit vier Wochen

19.06.2020 21:24

Nach einem Corona-Ausbruch in einem Schlachtbetrieb in Gütersloh
stehen tausende Tests unter den Mitarbeitern aus. Der Kreis
überschreitet die kritische Marke der Neuinfektionen deutlich.

Berlin (dpa) - Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus
innerhalb von 24 Stunden ist so hoch wie seit einem Monat nicht mehr.
Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) 770 neue
Fälle (Datenstand 19.6., 0.00 Uhr). Zuletzt war der Wert am 20. Mai
so hoch (797 Neuinfektionen). «Die Zunahme der Fallzahlen gegenüber
dem Vortag ist insbesondere auf größere Ausbrüche in
Nordrhein-Westfalen, Hessen und Berlin zurückzuführen», hieß es vom

RKI.

Insgesamt haben sich seit Beginn der Corona-Krise 188 534 Menschen in
Deutschland nachweislich mit Sars-CoV-2 angesteckt, wie das RKI am
Freitagmorgen meldete. Wegen eines Ausbruchs in einem
Fleischereibetrieb überschreitet ostwestfälische Kreis Gütersloh
demnach den von Bund und Ländern vereinbarten Grenzwert von 50
Corona-Neuinfektionen deutlich. Bis Freitagabend meldete der Kreis
803 Neuinfektionen. Für Hunderte Mitarbeiter des Schlachtbetriebs
stehen noch Tests aus. Viele Schulen und Kitas in der Region sind
geschlossen.

Weitere Landkreise mit vielen Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in
den vergangenen sieben Tagen sind laut RKI Verden, Magdeburg, der
Berliner Bezirk Neukölln und Warendorf. 135 von 412 Landkreisen
meldeten in den vergangenen sieben Tagen keine neuen Infektionen.

8872 mit dem Virus infizierte Menschen starben nach RKI-Angaben in
Deutschland - das bedeutet ein Plus von 16 im Vergleich zum Vortag.
Geschätzte 174 400 Menschen haben die Infektion nach RKI-Angaben
überstanden. Das sind ungefähr 400 mehr als noch einen Tag zuvor.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen mit
Datenstand 19.6., 0.00 Uhr bei 1,06 (Vortag: 0,86). Das bedeutet,
dass ein Infizierter im Mittel etwas mehr als einen weiteren Menschen
ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa
eineinhalb Wochen zuvor ab.

Seit Mitte Mai gibt das RKI zudem ein sogenanntes Sieben-Tage-R an.
Es bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher
weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen stieg
dieser Wert mit Datenstand 19.6., 0.00 Uhr, auf 1,17 (Vortag: 1,0).
Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

Dass die geschätzten Reproduktionszahlen (R-Wert und 7-Tages R-Wert)
leicht über 1 liegen zeige, dass die Anzahl der Neuerkrankungen
momentan nicht weiter zurückgehe, hieß es vom RKI. Dies hänge mit den

lokalen Häufungen zusammen. «Da die Fallzahlen in Deutschland
insgesamt auf niedrigem Niveau liegen, beeinflussen diese Ausbrüche
den Wert der Reproduktionszahl relativ stark.» Ein genereller Anstieg
sei daraus bisher nicht abzuleiten.