McKinsey: Schulen bräuchten doppelt so viel Geld für Digitalisierung

19.06.2020 13:22

Berlin (dpa) - Die staatlichen Fördermittel zur Digitalisierung der
Schulen müssten nach einer Berechnung der Unternehmensberatung
McKinsey mehr als verdoppelt werden, damit der Modernisierungsprozess
wirklich gelingt. «Weder Schulen, Lehrer noch Schüler sind
flächendeckend für den Online-Unterricht gerüstet. Ohne energisches
Gegensteuern drohen sozial benachteiligte Schüler noch stärker
zurückzufallen und Teile des Curriculums werden möglicherweise nicht
vermittelt», heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Analyse.
Deutschlands Schulen hinkten bei der Digitalisierung hinterher und
die Corona-Krise führe das eindringlich vor Augen.

Konkret wird vorgeschlagen, nicht nur die Schulen selbst mit Beamern,
Wlan und schuleigenen Online-Lernplattformen auszustatten, wie mit
dem 5,5 Milliarden Euro schweren «Digitalpakt Schule» vorgesehen.
Zusätzlich sollten auch Endgeräte für alle Lehrer und Schüler
angeschafft werden. Die Unternehmensberatung führt auf Nachfrage an,
dass jeder Schüler für digitales Arbeiten ein Gerät mit Tastatur
bräuchte. Zudem müssten Lehrer Schülerdaten auf den Geräten speiche
rn
können, was auf privaten Laptops oder Tablets nicht erlaubt sei. Die
Anschaffungskosten für die mehr als 800 000 Lehrer und 11 Millionen
Schüler in Deutschland werden mit rund 6 Milliarden Euro beziffert.

McKinsey verweist in dem Zusammenhang darauf, dass das
Konjunkturpaket der großen Koalition zur Bewältigung der Corona-Krise
einen Umfang von 130 Milliarden Euro hat.

Auch der Deutsche Städtetag forderte am Freitag einen
«Digitalisierungsschub» für die Schulen. Nicht alle hätten
gleichermaßen einen Zugang zur digitalen Welt oder könnten sich dort
sicher bewegen. «In der Schule wird das besonders deutlich. Das muss
sich ändern», sagte Präsident Burkhard Jung der «Neuen Osnabrücke
r
Zeitung». Vielerorts fehle es noch immer an ausgebildeten Lehrkräften
für den Umgang mit digitalen Techniken sowie an den passenden
Konzepten, beklagte der Leipziger Oberbürgermeister.