Laschet: Menschen egal «welcher Herkunft» keine Schuld an Virus geben

18.06.2020 17:11

Kleiner Satz, große Empörung: Nachdem NRW-Ministerpräsident Armin
Laschet (CDU) den Corona-Ausbruch bei Tönnies auf «Bulgaren und
Rumänen» zurückführte, tobt die Opposition. Laschet rudert zurück
,
nimmt die Arbeiter in Schutz und kündigt Verbesserungen für sie an.

Düsseldorf (dpa) - Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin
Laschet (CDU) hat auf Kritik an seiner Aussage zum Corona-Ausbruch im
Schlachtbetrieb Tönnies reagiert. «Menschen gleich welcher Herkunft
irgendeine Schuld am Virus zu geben, verbietet sich. Mir ist wichtig
klarzumachen, dass das für mich wie für die gesamte Landesregierung
selbstverständlich ist», teilte Laschet am Donnerstag mit.
Gleichzeitig verortete er die Verantwortung für das Geschehen bei den
Unternehmen - und kündigte «substanzielle Verbesserungen bei den
Bedingungen insbesondere für Arbeitnehmer aus Bulgarien und Rumänien»

an.

Der Ministerpräsident hatte am Mittwoch auf die Frage, was der
Corona-Ausbruch im Schlachtbetrieb Tönnies über die bisherigen
Lockerungen aussage, geantwortet: «Das sagt darüber überhaupt nichts

aus, weil Rumänen und Bulgaren da eingereist sind und da der Virus
herkommt. Das wird überall passieren.» Im nächsten Satz verwies
Laschet auf die Unterbringung und Arbeitsbedingungen in Betrieben.

Mehrere SPD-Politiker hatten daraufhin eine Entschuldigung gefordert.
Der SPD-Fraktionschef im NRW-Landtag, Thomas Kutschaty, sagte der
Deutschen Presse-Agentur: «Mit diesem Zitat hat sich Armin Laschet
die Denke von Tönnies eins zu eins zu Eigen gemacht. Das ist unterste
Schublade.» SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil bezeichnete es als
«unsouverän, dass Herr Laschet als erstes die Bulgaren und die
Rumänen, also die Arbeiter, die herkommen, um hier wirklich unter
widrigen Umständen in der Fleischindustrie zu arbeiten, dass er die
angreift.» Auch er erwarte daher eine Entschuldigung, sagte Klingbeil
am Donnerstag bei bild.de.

«Es ist sehr leichtfertig, das nun auf die Nationalität von
Beschäftigten zu verkürzen», sagte Volker Brüggenjürgen,
Geschäftsführer des Caritasverbands im Kreis Gütersloh. Eine solche

Die Vize-Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland
kritisierte «voreilige Mutmaßungen» der politisch Verantwortlichen
mit scharfen Worten - ohne Laschet namentlich zu nennen. Eine
«voreilige Spekulation» entbehre jeglicher belastbarer Sachgrundlage,
sagte Annette Kurschus laut Mitteilung. Es gehe jetzt um Fragen der
Unterbringung und Hygienestandards.

Darauf bezog sich am Donnerstag auch Laschet. «Wir müssen davon
ausgehen, dass die Arbeitsbedingungen und die Unterbringung der
Menschen dazu beigetragen haben, dass sich das Coronavirus unter den
Mitarbeitern des Schlachtbetriebs in Gütersloh derart ausbreiten
konnte», sagte der Ministerpräsident. Mit Bezug auf seine
ursprüngliche Aussage zu eingereisten Arbeitern ergänzte er: «Es gibt

eine Vielzahl von Risiken für die Verbreitung von Viren, dazu gehören
auch die Bedingungen und die Form des Reiseverkehrs innerhalb
Europas. Wir wollen ja aber gerade offene Grenzen und einen
europäischen Arbeitsmarkt.»

Er betonte: «Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen von Beschäftigten
sind weder in der Fleischindustrie noch in anderen Branchen
hinnehmbar.» Gemeinsam mit der Bundesregierung wolle man «für ganz
Deutschland bessere Regelungen schaffen zum Schutz der
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.» Die Landesregierung tausche sich
seit Wochen mit den Vertretern der betroffenen Länder aus, um
substanzielle Verbesserungen bei den Bedingungen «insbesondere für
Arbeitnehmer aus Bulgarien und Rumänien zu erreichen». Die
tatsächliche Ursache des Ausbruchs bei Tönnies blieb zunächst unklar.


ZDF-Moderator Jan Böhmermann fasste die Debatte um Laschet
unterdessen auf seine Art zusammen. Mit Bezug auf Laschets Avancen
als CDU-Bundesvorsitzender twitterte der Satiriker: «Die Bulgaren und
die Rumänen sind Schuld, wenn Armin Laschet nicht Bundeskanzler
wird.»