Kultusminister beraten über Schule nach den Sommerferien

18.06.2020 04:55

Nach dem Sommer sollen alle im gewohnten Klassenverband wieder in die
Schule. Soweit der Plan. Aber so einfach wird das nicht. Es gibt
Bedenken und Sorgen. Die Kultusminister der Länder suchen nach
Antworten.

Berlin (dpa) - Die für Bildung zuständigen Kultusminister der Länder

beraten an diesem Donnerstag in einer Videokonferenz über die
Rückkehr zum vollständigen Schulbetrieb nach den Sommerferien. Von
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der
Länder hatten sie am Mittwoch Rückendeckung für ihren Plan bekommen,

im neuen Schuljahr wieder in den Regelbetrieb zu starten. Allerdings
stellen sich dabei viele Fragen und Lehrervertreter und
Gewerkschaften äußern Sorgen mit Blick auf den Gesundheitsschutz.

GRÜNES LICHT VON MERKEL UND LÄNDERCHEFS, ABER...

Die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten hatten am Mittwoch
vereinbart, dass «bei gleichbleibend positivem Infektionsgeschehen
spätestens nach den Sommerferien» eine Rückkehr in den schulischen
Regelbetrieb erfolgen solle - «auf der Grundlage von Schutz- und
Hygienekonzepten».

Die Schulpolitiker der Länder waren in Gedanken schon einen Schritt
weiter: Die amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz der
Länder (KMK) und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie
Hubig (SPD), hatte mehrfach deutlich gemacht, dass nach den
Sommerferien an den Schulen auch die Abstandsregel fallen soll.

Ein entsprechender Passus stand am Mittwoch auch in einem gemeinsamen
Beschlussvorschlag der Länder für das Treffen mit Merkel - im
Abschlussdokument nach den Verhandlungen mit der Kanzlerin tauchte er
dann aber nicht mehr auf. Interessant wird, ob die Länder und ihre
Kultusminister trotzdem daran festhalten und die Abstandsregel in den
Schulen kippen.

KRITIK VON GEW UND LEHRERVERBÄNDEN

Das Thema ist heikel. Bildungsgewerkschaften warnen vor einem «Spiel
mit dem Feuer». Es sei eine Farce, wenn in jedem Supermarkt
Plexiglasscheiben Kunden und Personal trenne - aber an Schulen kein
Abstand eingehalten und die Lehrer nicht geschützt würden, hatte der
Chef des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, schon Anfang
des Monats gesagt.

«Auf das Abstandsgebot in den Schulen zu verzichten, ist der falsche
Weg», sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und
Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland
(RND). Abstand und Hygienemaßnahmen seien das A und O, um Lehrkräfte,
Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern vor Infektionen zu
schützen.

Und ein weiteres Problem tut sich auf: Mehrere Lehrerverbände
befürchten mit Blick auf den angestrebten Regelbetrieb eine
beachtliche Personallücke an Schulen, wegen Corona-Risikogruppen in
der Lehrerschaft, wie die «Welt» berichtet. So schätzten der Deutsche

Lehrerverband und der Verband Bildung und Erziehung die möglichen
Ausfälle im nächsten Schuljahr auf etwa zehn Prozent. Die GEW und der

Grundschulverband sprechen demnach sogar von schätzungsweise 20
Prozent.

SUCHE NACH LÖSUNGEN 

Die Kultusminister der Länder wollen nun bei ihrer Videoschalte an
diesem Donnerstag auch mit externen Experten beraten, wie der
Schulalltag nach den Sommerferien konkret aussehen könnte. Auch wenn
der Regelbetrieb wieder startet, das neue Schuljahr könne «nicht eins
zu eins so gemacht werden», wie das alte Schuljahr begonnen habe»,
sagte Hubig vorab der Deutschen Presse-Agentur.

Bei den Beratungen gehe es um den Unterrichtsstoff und auch um
Empfehlungen für den Fernunterricht. «Es kann sein, dass es vor Ort
wieder zu einzelnen Schulschließungen wegen des Infektionsgeschehens
kommt. Für den Fall müssen wir ja auch in Zukunft vorbereitet sein»,

sagte Hubig.

Bund und Länder hatten am Mittwoch vereinbart, dass pünktlich nach
den Ferien Leihlaptops und Tablets für bedürftige Schüler für den
Unterricht zu Hause bereitstehen sollen. Berlin stellt wegen der
Corona-Krise dafür und für die Einrichtung von Online-Lehrangeboten
500 Millionen Euro zur Verfügung.

Die stellvertretende FDP-Chefin Katja Suding kritisierte vor diesem
Hintergrund die langsame Umsetzung des «Digitalpakts Schule», über
den ebenfalls schuleigene Online-Lernplattformen finanziert werden
können. «Statt nur mit den Scheinen zu wedeln, muss
(Bildungsministerin) Anja Karliczek (CDU) endlich dafür sorgen, dass
die Digitalpakt-Gelder auch bei den Schulen ankommen», sagte Suding
der dpa. Mehr als ein Jahr nach Inkrafttreten des
5,5-Milliarden-Euro-Förderprogramms fließen die Mittel immer noch
spärlich.

ABSTAND, CONTAINER UND TESTS

Konkrete Vorschläge dazu, wie das neue Schuljahr aussehen könnte, gab
es einige in den vergangenen Wochen: Unterricht auch im Freien, in
angemieteten Containern oder Kongresshallen, um weniger Schüler auf
einem Fleck zu haben, feste Klassenverbände, die im Schulalltag nicht
in Kontakt mit anderen treten dürfen und regelmäßige freiwillige
Tests von Lehrern. Zumindest beim letzten Punkt gibt es schon
konkrete Pläne. So will beispielsweise Brandenburg Lehrkräften
anbieten, sich für zunächst drei Monate alle zwei Wochen testen zu
lassen. Andere Länder planen stichprobenartige Tests.