Corona trübt Konjunkturklima weiter ein

17.06.2020 17:37

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie werden Rheinland-Pfalz
noch länger beschäftigen. Aber auch Verschwörungserzählungen könn
ten
nach Einschätzung einer Expertin über die Krise hinaus fortwirken.

Mainz (dpa/lrs) - Die Stimmung der Unternehmen in Rheinland-Pfalz ist
im Juni so schlecht wie in der Finanzkrise von 2009. Das
Konjunkturklima habe sich wegen der Corona-Krise deutlich
verschlechtert, teilte die Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und
Handelskammern (IHK) in Rheinland-Pfalz am Mittwoch mit. Hier ein
Überblick über diese und weitere Entwicklungen im Corona-Alltag:

KONJUNKTUR: Der IHK-Konjunkturklima-Indikator für die jetzige und
künftig erwartete Geschäftslage stürzte von 113 Punkten Ende
2019/Anfang 2020 auf 77 Punkte. Die aktuelle Geschäftslage bewerteten
63 Prozent der 848 teilnehmenden Unternehmen als gut oder
gleichbleibend. 37 Prozent meldeten eine schlechtere
Geschäftssituation. Hoffnungsvoll stimmen laut der
IHK-Arbeitsgemeinschaft die Beschäftigungspläne der Unternehmen: 74
Prozent gaben an, dass sie die Anzahl der Beschäftigten in den
kommenden zwölf Monaten nicht verringern wollen.

EINZELHANDEL: Die Umsätze im Einzelhandel waren im April um 4,3
Prozent niedriger als vor einem Jahr, bereinigt um
Preisveränderungen. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen
Landesamtes in Bad Ems setzte der Einzelhandel mit Lebensmitteln zwar
real 6,3 Prozent mehr um als im entsprechenden Vorjahresmonat, der
Handel mit sonstigen Produkte brach hingegen um zwölf Prozent ein.

INFEKTIONSGESCHEHEN: Die Zahl der bestätigten Fälle von
Corona-Infektionen in Rheinland-Pfalz stieg am Mittwoch um zwölf auf
6858, wie das Gesundheitsministerium in Mainz mitteilte. Die Zahl der
Todesfälle von infizierten Menschen blieb unverändert bei 233 (Stand
10.15 Uhr). Aktuell sind 160 Menschen im Bundesland mit dem Virus
Sars-CoV-2 infiziert. Die meisten Neuinfektionen gibt es zurzeit in
Speyer mit zehn Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den
vergangenen sieben Tagen. Alle weiteren Städte und Landkreise haben
maximal vier Neuinfektionen je 100 000 Einwohner. In 19 der 36 Kreise
und kreisfreien Städte gab es in den vergangenen sieben Tagen keine
einzige Neuinfektion.

VERSCHWÖRUNGSERZÄHLUNGEN: Die umlaufenden Vermutungen zu
vermeintlichen Manipulationen im Zusammenhang mit der Corona-Krise
werden nach Ansicht der Sozialpsychologin Pia Lamberty auch über die
Pandemie hinaus wirken. «Ich befürchte, dass von den Narrativen etwas
zurückbleibt», sagte die Wissenschaftlerin der Johannes
Gutenberg-Universität der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. «Die
Grenze des Sagbaren hat sich verschoben.» Das reiche bis hin zur
Bagatellisierung des Holocausts, wenn auf Demonstrationen gegen
Corona-Auflagen Menschen einen Judenstern trügen.