Kritik an fehlenden Corona-Tests - Schüler in Schmalkalden infiziert

17.06.2020 18:31

Nach der Corona-Infektion eines Schülers ist eine Grundschule in
Schmalkalden geschlossen worden. Es ist nicht der erste Fall an einer
Thüringer Schule. Derweil lassen freiwillige Corona-Tests für Lehrer
auf sich warten.

Erfurt/Schmalkalden (dpa/th) - Wegen fehlender Corona-Testverfahren
für Schulen ist aus der SPD-Landtagsfraktion Kritik an Helmut Holters
(Linke) Bildungsministerium laut geworden. «Man kann nicht in Kitas
und Grundschulen zum Regelbetrieb zurückkehren und sich dann erst
Gedanken darüber machen, wie die versprochenen Corona-Tests für
Erzieherinnen und Lehrerschaft organisiert werden können», bemängelte

der bildungspolitische Sprecher Thomas Hartung am Mittwoch. Die
Wiedereröffnung im Kita- und Schulbereich hätte mit regelmäßigen
Tests des Personals einhergehen müssen. Zuvor hatten am Mittwoch
Zeitungen der Funke-Mediengruppe über das Thema berichtet.

Nach dem Ende der Notbetreuung sollen seit Montag alle Kinder in
Thüringens Kindergärten und Grundschulen wieder täglich betreut und
unterrichtet werden, zunächst aber noch mit zeitlichen
Einschränkungen.

Derweil halten Coronafälle an Schulen Gesundheitsämter auf Trab. Nach
der Infektion eines Grundschülers hat die Weidenschule in
Schmalkalden für diese Woche ihren Betrieb eingestellt. Damit falle
der Unterricht für mehr als 70 Kinder und elf Lehrer aus, teilte das
Landratsamt des Kreises Schmalkalden-Meiningen mit. Nach Angaben der
Behörde wurde für den Schüler und seine direkten Kontaktpersonen eine

14-tägige Quarantäne verhängt. Das betreffe 18 weitere Kinder, drei
Lehrer und vier Familienangehörige. Sie werden auf eine Infektion mit
dem Virus Sars-CoV-2 getestet. Vom Ausgang der Tests hänge ab, ob der
Unterricht in der kommenden Woche fortgesetzt werden könne, hieß es.

Entwarnung gab es derweil an einem Gymnasium in Weida (Kreis Greiz).
Inzwischen seien die 379 Tests der Schüler ausgewertet, teilte das
Landratsamt mit. «Ebenso wie bei den Lehrkräften und sonstigen
Mitarbeitern wurden keine positiven Befunde festgestellt.» Vorige
Woche war eine Lehrerin der Schule positiv auf das Coronavirus
getestet und die Schule daraufhin geschlossen worden.

Der besonders betroffene Landkreis Sonneberg informierte dagegen am
Mittwoch über eine zweite nachgewiesen Infektion in einem
Kindergarten. Nachdem das Virus vor einigen Tagen bei einem drei
Jahre alten Kita-Kind festgestellt worden war, gab es eine größere
Testreihe. Dabei sei auch eine Erzieherin positiv auf Sars-CoV-2
getestet worden. Das Gesundheitsamt habe notwendige Isolierung von
Kontaktpersonen und weitere Tests in der betroffenen Einrichtung
angeordnet, teilte das Landratsamt mit.

Die rot-rot-grüne Regierung hatte angekündigt, dass es wöchentliche,

freiwillige Tests für pädagogisches und anderes Personal an Schulen
und Kitas geben soll, sobald die Möglichkeiten dazu bestehen.
Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hatte die Möglichkeit von
solchen Tests an Kindergärten und Schulen als Bedingung dafür
genannt, nach den Sommerferien an Grundschulen und Kindergärten
wieder in einen Regelbetrieb übergehen zu können.

Diese Zusagen gelten auch weiter, sagte ein Sprecher des
Bildungsministeriums. «Wir gehen derzeit davon aus, ein Verfahren für
freiwillige Tests für Lehrkräfte im Juli, also noch vor
Schuljahresende zu haben.» Aktuell liefen demnach noch Verhandlungen
mit der Kassenärztlichen Vereinigung wegen der Abrechnung der Tests.
Bislang zahlten Krankenkassen nur Tests für Menschen, die Symptome
einer Corona-Erkrankung zeigten.