Umfrage: Lehrer kämpfen in Corona-Krise mit mehr Stress

17.06.2020 09:41

Hannover (dpa/lni) - Trotz Corona-Krise erledigen viele Lehrer in
Niedersachsen ihre Arbeit einer Umfrage zufolge gern. 57 Prozent der
Befragten machten ihre Arbeit gerne, teilte die Gewerkschaft
Erziehung und Wissenschaft (GEW) mit. 14 Prozent verneinten dies.
Gleichzeitig seien 53 Prozent der Befragten gestresster als vor der
Pandemie - 21 Prozent wiesen dies zurück. Die Krise bringe eine
Doppelbelastung von Fern- und Präsenzunterricht, bemängelte
GEW-Landeschefin Laura Pooth. Entlastung sei nötig. Zuvor hatten die
«Nordwest-Zeitung» und die «Braunschweiger Zeitung» berichtet.

42 Prozent der Befragten seien beim Gedanken an den Präsenzunterricht
besorgt wegen ihrer Gesundheit, nur 12 Prozent sorgten sich nicht,
wie die Umfrage ergab. 17 Prozent gehörten nach eigenen Angaben wegen
Vorerkrankungen zur Risikogruppe. Von diesen nutzte nur ein Drittel
(230 Menschen) das Recht, ausschließlich im Homeoffice zu arbeiten.
«Hochgerechnet sind also nur etwa sechs Prozent aller Lehrkräfte im
Home-Office», sagte Pooth. Die GEW hatte im Mai mehr als 3800 Lehrer
und Schulleiter befragt.

31 Prozent der Teilnehmenden verneinten, dass es an ihrer Schule
ausreichend Waschbecken, Seife und Einmalhandtücher gibt - 58 Prozent
dagegen bejahten dies. Nur die Hälfte der Befragten geht davon aus,
dass der Mindestabstand im Unterricht eingehalten werden kann.

Die Gewerkschaft sieht ein Dilemma zwischen pädagogischem Anspruch
und notwendigem Gesundheitsschutz: Lehrer seien engagiert, stießen
jedoch bei den Bedingungen in den Schulen an Grenzen. Mit Blick auf
das kommende Schuljahr forderte die GEW von der Landesregierung einen
nachhaltigen Investitionsplan: «Wenn die Politik nicht endlich massiv
in stabile Strukturen investiert, hat sie aus Corona nichts gelernt»,
sagte Pooth.